Beinahe ein Jahr führt Franz Wohlfahrt bereits die Geschicke der Wiener Austria als Sportdirektor. In dieser Zeit holte der ehemalige ÖFB-Teamtormann mit Thorsten Fink einen neuen Erfolgscoach, baute die Mannschaft um und führte die Veilchen zum Herbstmeistertitel.. Im "Heute.at"-Talk zog der 51-Jährige Bilanz und plauderte über Fan-Pfiffe, sein emotionales Interview mit Rainer Pariasek und seinen persönlichen Weihnachtswunsch.
Beinahe ein Jahr führt Franz Wohlfahrt bereits die Geschicke der -Teamtormann mit Thorsten Fink einen neuen Erfolgscoach, baute die Mannschaft um und führte die Veilchen zum Herbstmeistertitel. Im "Heute.at"-Talk zog der 51-Jährige Bilanz und plauderte über Fan-Pfiffe, sein emotionales Interview mit Rainer Pariasek und seinen persönlichen Weihnachtswunsch.
"Heute.at": Herr Wohlfahrt, wie fällt Ihre Bilanz der Herbstsaison aus?
Franz Wohlfahrt: "Die Bilanz sehen wir sehr positiv. Das war so nicht zu erwarten, weil wir 50 Prozent der Mannschaft ausgetauscht haben. Da gibt es im Normalfall mehr Anfangsschwierigkeiten. Doch der Altbestand der Spieler hat die Neuen gut integriert. Da gab es auch keine sprachlichen, kulturellen oder religiösen Probleme. Wenn man Spieler aus dem fernen Ausland holt, gibt es viele Dinge, mit denen man sich beschäftigen muss, doch das hat recht schnell funktioniert. Die Jungs sind zusammengewachsen. Das macht auch Hoffnung für die Zukunft. Es hat aber genügend Spiele gegeben, wo man gesehen hat, dass wir noch lange nicht dort sind, wo wir hinwollen. Es heißt jetzt, beständig weiterzuarbeiten und uns zu verbessern."
Geht der Verein deshalb auch so defensiv mit den Saisonzielen um? Obwohl die Austria Herbstmeister war, blieb das Erreichen des Europacups das oberste Ziel.
"Das ist es auch weiterhin. Das Jahresziel war, ist und bleibt ein Tabellenplatz mit dem wir in der nächsten Saison international spielen können. Solange wir das nicht gefestigt haben, werden wir keine anderen Ziele ausgeben."
Was müsste passieren, dass die Austria sagt: Jetzt sind wir reif für den Titel?
"Wenn wir zum Beispiel vier Runden vor Schluss 63 Punkte haben, der Europacup-Platz abgesichert ist und wir nur zwei, drei Punkte hinten sind, dann greifen wir an. Aber dort sind wir noch lange nicht. Wir haben erst 35 Punkte. Wir haben auch im Herbst gesehen, dass wir um jeden Punkt kämpfen müssen. Deswegen ist es auch berechtigt, bei unseren Zielen zu bleiben. Das ist ja auch keine Suderei. Wir sind nicht in der Lage, jede Mannschaft niederzuspielen. Da musst du über den Ehrgeiz, die Leidenschaft und den Kampf reingehen, sonst geht gar nichts."
Im Herbst hat es einige Nebengeräusche, wie etwa die Pfiffe der Fans beim Grödig-Spiel, gegeben. Ist das Team so gefestigt, dass es sich dadurch nicht beeinflussen lässt?
"Von 8.000 Zuschauern haben vielleicht zehn Fans gepfiffen. Das werden wir verkraften. Jeder Politiker wäre froh, wenn er 99,2 Prozent Zustimmung hätte. Es wird uns nie gelingen, jeden Zuschauer zufriedenzustellen. Das ist unmöglich. Wenn da ein paar trotz fünf Siegen in Folge pfeifen, ist es ok. Unzufriedenheit und gewisse Pfiffe waren durchaus berechtigt, weil wir auch nicht immer gut gespielt haben. Doch die Zeiten von Sindelar und Prohaska sind vorbei. Heute spielst du gegen Gegner, die taktisch gut geschult und körperlich super beinander sind. Wir haben auch in Grödig mit viel, viel Glück einen Punkt gemacht. Da bist du auch gewarnt."
Wie zufrieden sind Sie mit der Leistung von Osman Hadzikic?
"Wir machen ja nicht den gleichen Fehler wie ein anderes Medium und führen nach 45 Minuten eine Endanalyse durch. Wir haben auch vorher gewusst, dass wir mit Osman nicht nur einen talentierten 19-jährigen Tormann haben, sondern auch einen Sportler, der mit unglaublichem Einsatz und einer Beständigkeit trainiert. Natürlich sind wir zufrieden. Wir haben uns nicht umsonst bei der Kaderplanung dafür entschieden, mit dem Duo Almer/Hadzikic in die Saison zu gehen. Die Diskussionen waren für die Mannschaft kein Thema. Da bin ich rechtzeitig eingeschritten."
Hat es in irgendeiner Form eine Aussprache mit ORF-Mann Rainer Pariasek gegeben?
"Ich sehe das ja gar nicht so schlimm. Wir haben diskutiert. So etwas gibt es heutzutage nicht mehr so oft, weil alle in Interviewschulungen gehen. Aber irgendwann ist auch Emotion gefragt. Wenn ich nicht mehr emotional sein kann, ist es besser, wenn ich zu Hause bleibe. Wahrscheinlich war es aber auch deshalb so auffällig. Trotzdem nehme ich mir das raus, hin und wieder in Stammtisch-Atmosphäre zu diskutieren. Warum auch nicht? Es hat ja nicht geschadet."
Wohlfahrt zu Kader, Stadion und "Sieger-Gen" auf Seite 2:
In Ihrer Amtszeit hat sich bei der Austria einiges weiterentwickelt. Das Stadion ist auf Schiene, der Kader wurde umgebaut und ein neuer Trainer geholt. Welche Entwicklung freut Sie da am meisten?
"Es war kein einfaches Jahr. Wir haben im Jänner mit der Arbeit begonnen und es hat von Anfang an Probleme in den Besetzungen gegeben. Ich kann mich an den allerersten Arbeitstag erinnern, auch da hat es schon Probleme gegeben. Mir war klar, dass wir diese Probleme lösen mussten. Es mussten im Sinne des Vereins und des Erfolgs Entscheidungen getroffen werden. Man hat nicht immer nur Freunde. Umso mehr macht es Freude, zu sehen, dass man voran steht, dass man sieht, dass es kein Zufall ist. Wir haben viel dafür gearbeitet."
Thorsten Fink wird das "Sieger-Gen" attestiert. Können Sie mit dem Begriff etwas anfangen? Und hat er es?
"Wenn wir Spieler verpflichten, die schon in einem gewissen Alter - nicht mehr blutjung - sind, schauen wir schon darauf, was diese schon gewonnen haben, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es viel Selbstvertrauen bringt und die eigenen Möglichkeiten steigert, wenn man Titel gewonnen hat. Wenn man einen Trainer hat, der die Champions League gewonnen hat, vier Mal deutscher Meister und drei Mal Pokalsieger war, ist sein Entree vor den Spielern ein ganz anderes. Dann glaubt man schon, was gesagt wird. Wenn das auch noch mit seiner sozialen Kompetenz rüberkommt, ist das absolut positiv. Wir sind froh, dass wir ihn haben."
Bei den Zuschauerzahlen im Herbst steht ein leichtes Plus. Ab dem Sommer muss man aber ins Happel-Stadion ausweichen. Wie wollen Sie da die Fans ins Prater-Oval locken?
"Wir können dazu nur beitragen, sportlich erfolgreich zu sein. Es gibt auch sicher begleitende Maßnahmen des Marketings und der Medienarbeit, um mehr Zuschauer ins Stadion zu bekommen. Es wird eine Challenge, wenn 48.000 im Stadion Platz finden und wir mit 10.000 Zuschauern rechnen. Wir wollen durch Teilung der Sektoren zu einer guten Optik kommen. Es wird schwierig, aber wir bauen ein wunderschönes neues Stadion. Das gehört eben dazu."
Rechnen Sie damit, dass der fehlende Heimvorteil Punkte kosten könnte?
"Nein, das glaube ich nicht. Die Mannschaft wird sich davon nicht abhängig machen."
Der Transferzeitraum steht bevor. Es wurde die Devise ausgegeben, nur aktiv zu werden, wenn ein Spieler den Verein verlässt. Wird Philipp Zulechner nun ersetzt?
"Das wissen wir noch nicht. Es gibt eine gewaltige Liste an Wünschen. Ob es uns gelingt, unseren Wunsch zu erfüllen, ist im Moment noch nicht fix. Es gibt aber intensive Gespräche. Ob es jetzt bereits im Winter oder im Sommer soweit ist, wissen wir noch nicht. Dem Verein und mir würde ich einen großen Wunsch gerne erfüllen."
Zum Zulechner-Abgang sagten Sie in einer Presseaussendung, dass sein Wechsel die Kaderplanung nicht beeinflusst. Heißt das, dass sie Philipp Zulechner über den Sommer hinaus nicht behalten wollten?
"Als er wegen des Bern-Interesses an uns herangetreten ist, waren wir uns nicht sicher, ob wir die Kaufoption nützen würden. Die wäre bis 15. Mai fällig gewesen. Deswegen war sein Schritt verständlich und wir wollten ihn nicht zwingen, hier zu bleiben. Das wäre für alle Beteiligten nicht gut gewesen. Die Trennung hatte keinen negativen Touch, weil der Zuli ein menschlich toller Kerl ist. Er wurde auch von der Mannschaft gebührend verabschiedet. So ist es im Fußball eben. Entwicklung bedeutet auch Trennung."
Es laufen Verträge im Sommer aus, es gibt Kaufoptionen bei Friesenbichler und Martschinko. Wie sieht der weitere Fahrplan aus?
"Der Fahrplan ist gewaltig. Ab Anfang Februar, wenn die Rückrunde beginnt, werden wir - sollten wir uns jetzt nicht sicher sein - genau beobachten. Bis Ende März ist dann schon wieder viel passiert und dann werden wir uns zusammensetzen. Aber es gibt natürlich Tendenzen. Diese können sich bis zum März aber auch wieder gedreht haben."
Ist es denkbar, Alexander Gorgon, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, in der Wintertransferzeit abzugeben, um noch eine Ablösesumme zu kassieren?
"Wir haben viele Überlegungen, aber wir wollen den Alex halten, weil wir wissen, was wir an ihm haben. Der Spieler hat aber immer das erste Recht, zu entscheiden."
Welcher Wunsch steht auf Ihrem Brief an das Christkind ganz oben?
"Es ist ein Lebensmotto von mir: Alles, was wir beeinflussen können, können wir mit entscheiden. Was wir nicht entscheiden können, ist die Gesundheit. Wenn ich mir etwas wünsche, dann ist es, dass es meiner Familie gut geht. Nur bei der Familie sind wir angreifbar. Wünsche hab ich im privaten Bereich, im Beruf wird gearbeitet. Da brauchen wir keinen Blitz von oben herab, dass es gut wird. Wir arbeiten hart weiter."