Ein Facelift sollte ihr neues Selbstbewusstsein schenken – stattdessen lebt Sandra (Name geändert; Anm.) seit Jahren mit den Folgen einer OP, die ihr Leben nach eigenen Angaben völlig verändert hat. Heute sagt sie: "Mein Leben ist dadurch aus den Fugen geraten." Jetzt fordert die Oberösterreicherin mehr Aufklärung über Risiken ästhetischer Eingriffe.
Wie die Betroffene gegenüber "Heute" schildert, saß sie Ende 2021 bei einem Beratungsgespräch eines renommierten Schönheitschirurgen im Großraum Linz. Ursprünglich sei es um ein anderes Anliegen gegangen, im Gespräch seien dann auch weitere ästhetische Themen besprochen worden. Dabei habe ihr der Arzt ein Facelift empfohlen – damals war sie erst 35 Jahre alt.
Besonders beschäftigt sie heute die Frage, warum ihr sofort zu einer Operation geraten wurde: "Nach dem österreichischen Ästhetikgesetz sollte eine Operation grundsätzlich die letzte Option sein", sagt Sandra. Alternativen seien ihr damals nicht vorgeschlagen worden. Außerdem: "Vor dem Eingriff sprach ich den Arzt ausdrücklich auf mögliche sichtbare Narben und dauerhafte Veränderungen an."
Nach ihrer Erinnerung sei ihr erklärt worden, dass mögliche Veränderungen später "kaum oder gar nicht mehr auffallen" würden. "Auf Grundlage dieser Beratung entschied ich mich für die Operation." Doch nach dem Eingriff sei eine deutlich sichtbare Veränderung im Gesichtsbereich geblieben, die bis heute bestehe.
Die dauerhafte Veränderung ihres Aussehens belaste sie massiv: "Insbesondere die Tatsache, dass die Narbe für andere Menschen erkennbar ist, führt bei mir zu Schamgefühlen und beeinträchtigt meine Lebensqualität." Die Narbe verursache dazu bis heute Schmerzen und Spannungsgefühle.
Besonders belastend sei, dass sich Sandra durch den Eingriff wohler und schöner fühlen wollte. "Tatsächlich hat sich mein Leben seitdem grundlegend verändert", schildert sie. "Ich ziehe mich deutlich stärker aus dem sozialen Leben zurück und verlasse nur noch selten das Haus, weil ich mich mit meinem Aussehen unwohl fühle."
Mehrere Ärzte hätten ihr später mitgeteilt, dass eine Korrektur kaum möglich sei. "Natürlich entstehen bei jedem chirurgischen Eingriff Narben", sagt Sandra. Die Frage sei, wie sehr diese danach auffallen. "Wer sich mit modernen ästhetischen Operationstechniken beschäftigt, findet zahlreiche Beispiele, bei denen Narben praktisch unsichtbar verheilen. Genau davon bin auch ich ausgegangen."
Der Fall kam schließlich vor die zuständige Schlichtungsstelle der Ärztekammer. Dort entstand bei Sandra der Eindruck, dass ihre Schilderungen und die Folgen des Eingriffs nur eine untergeordnete Rolle gespielt hätten: "Ich hatte das Gefühl, dass meine Argumente und Erfahrungen nicht ernsthaft berücksichtigt wurden."
Heute will sie andere Menschen warnen: Sie wolle "dazu beitragen, dass Menschen vor ästhetischen Eingriffen umfassend über Risiken, mögliche dauerhafte Folgen und die rechtlichen Rahmenbedingungen informiert werden". Aus ihrer Sicht bestehe in diesem Bereich "ein erhebliches Spannungsfeld zwischen Werbung, Erwartungen der Patienten und den tatsächlichen Risiken".