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Frau will Klima schützen, muss am Bahnsteig übernachten

Eine klimafreundliche Zugfahrt von Berlin nach Wien warf eine Passagierin völlig aus der Bahn. Denn die 56-Jährige musste am Bahnsteig übernachten.

Christian Tomsits
Manuela S. (56) und ihr Beleg nach der Beschwerde bei den ÖBB.
Manuela S. (56) und ihr Beleg nach der Beschwerde bei den ÖBB.
privat

Gerädert, müde und "ziemlich sauer" stieg Manuela S. (Name geändert) um 6 Uhr morgens am Donnerstag in Wien-Meidling aus ihrem ÖBB-Zug. Die Fahrt von Berlin über Prag nach Wien dauerte ganze 19 Stunden, eine Freiluftübernachtung am Bahnsteig in Břeclav gab es gratis dazu. "Das war sicher meine letzte Bahnfahrt für längere Zeit", so die niedergeschlagene Niederösterreicherin zu "Heute".

Bahnfahrt lief alles andere als glatt

Am Vortag war die 56-Jährige um die Mittagszeit nach einem Kurzbesuch bei ihrer Tochter (28) noch fröhlich zum Berliner Bahnhof spaziert. Doch dort nahm das Unheil bereits seinen Lauf – Verspätung! "Dabei wollte ich extra mit der Bahn fahren und nicht fliegen, um das Klima zu schonen", erklärte die Künstlerin.

Außerdem nahm sie sich vor, gemütlich tagsüber zu reisen, um am nächsten Tag gut erholt und eben nicht übernächtigt ihre anstehenden Termine absolvieren zu können – doch dieser prächtige Plan entgleiste völlig.

Schon bei Abfahrt Verspätung

Bereits in Berlin hatte ihr Zug fünfzig mitgebrachte Minuten an Verspätung aus Flensburg im Gepäck. "Als Grund gab die Deutsche Bahn Verzögerungen eines vorangehenden Zuges an", war Manuela S. erstaunt. Ebenso erstaunlich sollte sich ihre restliche Reise entwickeln, denn der Anschlusszug nach Wien um 18.00 Uhr wurde in Prag klar versäumt. Im Zug noch wurde ihr die Weiterfahrt um 22. 34 Uhr nach Břeclav empfohlen – Ankunft 2:11 Uhr.

"Mir wurde gesagt, ich könne dann die Nacht hindurch im Abteil auf meinem Sitz warten, bis die Garnitur weiter nach Wien fährt. Doch am Bahnhof angekommen, wurde ich und eine Familie mit zwei kleinen Kindern kurzerhand hinausgestampert", so Manuela S.

Ab dann stand die Alleinreisende stundenlang in der nächtlichen Kälte mit Gepäck am Bahnsteig. "Bahnhofsgebäude und der Zug wurden versperrt, weiter ging es erst um 4.27 Uhr – im selben Zug, der die ganze Zeit leer vor meiner Nase am Gleis gestanden war", so die frustrierte Frau.

ÖBB entschuldigt sich für 7 Stunden Verspätung

"Die Mondsichel am Himmel war zwar schön, der Rest nicht", ärgerte sich die 56-Jährige, die gleich nach ihrer Ankunft in Wien eine Beschwerde über die siebenstündige Verspätung einreichte. "Wir möchten uns auch stellvertretend für die Kolleg:innen der deutschen und tschechischen Bahn uns aufrichtig für die Verspätung, als auch für die falschen Informationen entschuldigen", so die ÖBB in einem Statement und erklärte, dass eine Erstattung von Hotelkosten in Prag bis zu 80 Euro möglich gewesen wäre.

"Die Wartezeit in einem abgestellten Zug ist aus Sicherheitsgründen generell verboten und absolut nicht möglich", so ein Sprecher des Unternehmens zu "Heute". Gemäß der Fahrgastrechte habe die ÖBB-Kundin nun Anspruch auf die Erstattung von 50 Prozent der Ticketkosten (59 Euro), sowie ihrer Sitzplatzreservierung.

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