Weil sich diese Olympischen Spiele über sechs verschiedene Cluster verteilen, bedeutet das für Journalisten vor allem eines: viel Busfahren. Wer die Biathleten sehen will, fährt von Cortina knapp zwei Stunden nach Antholz, ins Herz von Südtirol. Dort zeigt sich ein anderes Bild als zuletzt in Cortina. Die Shuttlefahrten funktionieren reibungslos, der Ort wirkt fertig – nicht wie eine lebende Baustelle. Und vor allem: Die Stimmung ist gut. Richtig gut.
Im Gegensatz zur Tofana bei den Damenrennen, wo nur vereinzelt Fans den Weg nach oben fanden, stehen in Antholz 19.000 Zuschauer dicht gedrängt an der Strecke. Ein DJ heizt ein, Fahnen wehen, entlang der Loipe wird jede Athletin und jeder Athlet lautstark angefeuert. Das eigentliche Highlight ist jedoch die große Fantribüne im Stadion beim Schießstand, wo jeder Treffer mit lautem Jubel und Rasseln begleitet wird.
"Die Stimmung ist unglaublich – im Stadion habe ich versucht, sie auszublenden, aber auf der Loipe habe ich oft meinen Namen gehört", sagt ÖSV-Star Lisa Hauser, die im Einzel der Damen 27. wurde. Auch Teamkollegin Tamara Steiner (44.) zeigt sich angetan: "Von mir sind 20 Freunde gekommen – mehr als jemals zuvor." Man spürt, dass hier nicht nur die Fans, sondern auch die Einheimischen große Lust auf diese Spiele haben.
Das bestätigt Elisabeth Messner, in Antholz aufgewachsen und Wirtschaftsstudentin in Wien, im Gespräch mit "Heute": "Wir als Einheimische sind extrem dankbar, dass Olympia nach Antholz gekommen ist. Dadurch wurde einiges im Ort nachhaltig umgestaltet. Außerdem wurde das Stadion saniert. So können wir als kleines Dorf sicher sein, dass der Biathlon-Weltcup wieder zu uns kommt. Diese Einnahmen sind für uns unverzichtbar."
Familie Messner betreibt einen Bauernhof mit Gästeunterkünften. Während der Spiele stellen sie eines ihrer Felder als Parkplatz zur Verfügung. Auch davon profitiert das Dorf. Besonders wichtig sei ihr, betont die 22-Jährige, dass auf die Natur geachtet werde: "Noch am Tag des Wettkampfs wird vonseiten der Freiwilligen alles wieder sauber gemacht. Für den Parkplatz bekommen wir eine Entschädigung."
Im Vergleich zum jährlich stattfindenden Biathlon-Weltcup sind die Unterschiede dennoch deutlich spürbar. Spürhunde und Polizisten vor den Hotels gehören ebenso zum Bild wie Absperrungen und Kontrollen. Die knapp 3.000 Einwohner zählende Gemeinde, nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, wirkt für diese Tage größer als sonst. "Es ist natürlich alles ein bisschen größer als normal, auch die Freiwilligen werden deutlich genauer kontrolliert", sagt Messner. "Aber so ist es nun mal. Das kann man nicht ändern."
Dass die Organisation mit Zutrittskarten für Autos und den Shuttles zum Stadion so reibungslos funktioniert, war anfangs nicht selbstverständlich. "Damit konnte man eigentlich nicht rechnen", sagt Messner mit einem Schmunzeln. Sie verfolge zwar auch, was an den anderen Standorten passiert, doch vergleichen lasse sich das nur schwer mit Antholz.
Eines zeigt Antholz jedenfalls deutlich: Wenn bestehende Sportstätten genutzt und weiterentwickelt werden, kann Olympia funktionieren – stimmungsvoll und gut organisiert zugleich. Vielleicht liegt darin ein Modell für künftige Spiele. Auch für Österreich? Bis 2046 wäre jedenfalls noch Zeit.