Skurrile Stimmung

Weshalb bei unserem Sensations-Gold die Fans fehlten

Gold für Österreich, doch die Tribünen bleiben teils leer. In Cortina prallen sportlicher Erfolg und olympische Atmosphäre aufeinander.
Georg Steinschnack
11.02.2026, 07:05
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Es war die Überraschung dieser Olympischen Spiele. Katharina Huber und Ariane Rädler holten in der Team-Kombination von Cortina sensationell Gold. Sie schlugen damit das US-Duo um Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson und Mikaela Shiffrin, die nach Halbzeitführung Nerven zeigte und am Ende nur auf Rang vier landete. Während sich in Österreich vielerorts Freudentaumel breit machte, war die Stimmung vor Ort eine andere.

Fanclubs bleiben daheim

Der sportliche Erfolg spielte sich nämlich vor einer Kulisse ab, die ihm nur bedingt gerecht wurde. Es war zwar klar, dass die Stimmung auf der Tofana nicht mit der bei einem Rennen in Österreich, etwa in Flachau oder am Semmering, vergleichbar sein würde. Die Hürden für Fans waren einfach zu hoch. Viele bekamen keine Karten, andere scheiterten an den Preisen. Die günstigste Kategorie lag bei rund 100 Euro, meist waren es eher 150 Euro. Umso mehr darf man die Frage stellen, warum trotz der vielen Ticket-Anfragen rund ein Drittel der Tribüne leer blieb.

Das wirkte sich auf die Atmosphäre aus. Zahlreiche Fanclubs entschieden sich gegen eine Reise nach Cortina. Der Fanclub von Cornelia Hütter, die mit ihrer Kollegin Katharina Truppe den fünften Platz erreichte, hatte am Sonntag bei der Abfahrt zum Beispiel ein Public Viewing in Kumberg, der Heimat von Hütter, veranstaltet.

Auch aus dem Kreis der Athletinnen und Athleten kam Kritik. Mirjam Puchner, die mit Lisa Hörhager auf Rang 14 fuhr, brachte es auf den Punkt: "Die Ticketpreise, die es für die Rennen gibt, sind äußerst fraglich. Ich finde das extrem schade für die Fans, wenn die Kosten so enorm sind." Ähnlich klang es bei Skispringer Daniel Tschofenig. "Dass jemand für die Events so viel zahlt, wird nicht vorkommen", sagte er und seufzte. "Ich weiß, dass deshalb viele daheimbleiben werden."

Beachtliche Leistung

Auffällig war, wer dennoch vor Ort war. Neben den Familien der Sportler – jeder Athlet konnte pro Person lediglich zwei Tickets erwerben – und einzelnen Kollegen aus anderen Disziplinen, etwa dem deutschen Rodler Felix Loch, dominierten vor allem amerikanische Fans das Bild. Mit Cowboyhüten auf den Rängen und wiederholten Aufforderungen des DJs zum Mitmachen erinnerte die Stimmung stellenweise eher an ein NBA-Spiel als an ein Skirennen.

Nur während der Fahrt von Katharina Truppe waren vereinzelt Zurufe zu hören – von jenen Fans, die den Weg nach Cortina dennoch auf sich genommen hatten. All das soll die Leistung und vor allem den historischen Erfolg keinesfalls schmälern. Ganz im Gegenteil. Ohne echten Heimvorteil, trotz geografischer Nähe, dafür mit umso mehr Willenskraft, haben Katharina Huber und Ariane Rädler als erste Frauen seit 2014 Olympiagold nach Österreich geholt. Da kann man nur gratulieren.

{title && {title} } gst, {title && {title} } Akt. 11.02.2026, 10:14, 11.02.2026, 07:05
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