Ihr heiseres Summen ist nicht zu überhören. Es liegt über dem Eiskanal, zieht sich vom Start bis in die ersten Kurven und verschwindet dann langsam. Drohnen begleiten bei diesen Olympischen Spielen nicht mehr nur Skirennen, sondern inzwischen auch die Rodler. Kleine Geräte, die den Schlitten hinterherjagen und Bilder liefern, die es so bisher nicht gab.
Am Start sind sie präsent, hörbar, fast aufdringlich. "Ich höre das Summen nur am Start und maximal bis Kurve eins", sagt Österreichs Rodler Nico Gleirscher, Fünfter im Einsitzer, im "Heute"-Gespräch. "Danach ist die Drohne zu weit weg und ich bin so im Tunnel. Ich glaube, das ist die Zukunft – und darf gerne noch mehr werden."
Dass diese Zukunft gewollt ist, daran lässt das Internationale Olympische Komitee keinen Zweifel. Die Drohnen seien gekommen, um zu bleiben. "Wir sehen das als eine Weiterentwicklung des Sports", sagt IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey. Die Erwartungshaltung des Publikums sei es mittlerweile, "beim Konsum einer Sportveranstaltung, insbesondere der Olympischen Spiele, diese Art von Erlebnis zu haben".
Während oben neue Perspektiven entstehen, bleibt das Publikum im Eiskanal erstaunlich bodenständig. Es wird angefeuert, geklatscht, geläutet – unabhängig von Nation oder Startnummer. Besonders die Kuhglocken stechen heraus, ein Klangteppich, der sich durch den Zielbereich zieht und jede Fahrt begleitet. Wer hier sitzt, feuert nicht nur Favoriten an, sondern jeden, der sich mutig in die Bahn legt.
Am Ende bleiben die Bilder aus der Luft, von der Strecke. Und die Geräusche von unten. Das Surren der Drohnen, das nur zwischenzeitlich zu hören ist. Das Läuten der Kuhglocken, das länger nachhallt. Beides gehört inzwischen zu diesen Spielen. Vielleicht ist genau das der Kern dieses olympischen Tages: Während sich die Fernsehbilder weiterentwickeln, bleibt das Publikum im Eiskanal bei dem, was es immer ausgemacht hat. Es jubelt, es leidet mit, es feuert an – unabhängig davon, aus welcher Perspektive zugesehen wird.