Aus und vorbei! Der Nachtflug in Tulln hat seine Türen für immer geschlossen. Was jahrelang als Fixpunkt für Nachtschwärmer galt, ist Geschichte. Betreiberin Gabi zog die Reißleine, nachdem sich die wirtschaftliche Lage nicht mehr retten ließ. Vor allem ein Problem zog sich wie ein roter Faden durch die letzten Monate: Es wurde schlicht zu wenig konsumiert. Gäste, die stundenlang mit einem Getränk auskamen, oder sich sogar Wasser am WC holten, machten den Betrieb zunehmend unrentabel.
"Ein Mineralwasser für die ganze Nacht oder sich eines zu zweit teilen – das geht sich nicht aus", schildert die Betreiberin offen. Dazu kamen steigende Kosten, laufende Abgaben und schließlich auch neue Auflagen nach einer Betriebsprüfung Mitte März. In Summe ergab sich eine Rechnung, die sich nicht mehr schließen ließ.
Der Nachtflug war kein gewöhnlicher Club, sondern ein Konzept, das es so nur selten gibt. Auf der einen Seite der Disco-Bereich, wo die Tanzfläche zu Hits aus den 80ern, 90ern und 2000ern regelmäßig bebte. Hier ging es laut, ausgelassen und gesellig zu – genau das Richtige für alle, die einfach feiern und abschalten wollten.
Auf der anderen Seite bot das Lokal eine komplett andere Atmosphäre: ein klassisches Tanzlokal mit Stil. Hier standen Walzer, Cha-Cha-Cha oder Rumba am Programm, getanzt von Paaren, die Wert auf Technik, Musikgefühl und Eleganz legten. Diese Kombination aus Party und traditionellem Tanz machte den Nachtflug über Jahre hinweg einzigartig.
Mit seiner Lage mitten in Tulln entwickelte sich der Nachtflug schnell zu einem Treffpunkt für unterschiedlichste Gäste. Junge Partygänger trafen auf erfahrene Tänzer, Stammgäste auf neugierige Neulinge. Genau diese Mischung sorgte für eine besondere Dynamik, die man in vielen anderen Lokalen vergeblich sucht.
Viele Besucher kamen nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der Gemeinschaft. Man kannte einander, kam ins Gespräch, lernte neue Leute kennen. Für nicht wenige war der Nachtflug ein Ort, an dem Freundschaften entstanden – und für manche sogar mehr.
Doch so lebendig das Geschehen auf der Tanzfläche war, so angespannt war die Lage hinter den Kulissen. Die Einnahmen konnten schon länger nicht mehr mit den steigenden Fixkosten mithalten. Miete, Personal, Betriebskosten und Abgaben liefen weiter – unabhängig davon, wie viel tatsächlich konsumiert wurde.
Nach einer Betriebsprüfung am 13. März kamen zusätzlich neue Auflagen dazu, die weitere Investitionen notwendig gemacht hätten. Für die Betreiberin war klar: Unter diesen Bedingungen ist ein Weiterbetrieb wirtschaftlich nicht mehr möglich.
Die Nachricht von der Schließung sorgt bei vielen Gästen für große Betroffenheit. In sozialen Netzwerken teilen Stammgäste Erinnerungen an lange Nächte, volle Tanzflächen und besondere Begegnungen. "War immer gern dort tanzen", heißt es immer wieder.
Gleichzeitig zeigen einige auch Verständnis für die Entscheidung. Dass Gäste oft nur wenig konsumieren, sei kein Einzelfall, sondern ein bekanntes Problem in der Gastronomie. Im Fall des Nachtfluges wurde es nun zum entscheidenden Faktor.