Wenn Dienstagfrüh, am 15. September 2026, eine europäische Vega-C-Rakete in Französisch-Guayana abhebt, steckt auch ein ordentliches Stück Niederösterreich mit an Bord. Der neue Pflanzensatellit FLEX und der Erdbeobachtungssatellit Sentinel-3C werden mit Thermalschutz aus Berndorf im Triestingtal vor den extremen Bedingungen im Weltall geschützt.
Der Start ist für Dienstag, 15. September, um 3.21 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit geplant. Beide Satelliten sollen gemeinsam vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ins All gebracht werden.
"Die beiden Satelliten nutzen Thermalschutz aus Niederösterreich. Das unterstreicht unsere Position als verlässlicher Partner für anspruchsvolle satellitengestützte Erdbeobachtungsprogramme", sagt Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer von Beyond Gravity Austria.
Der Schutzmantel wurde im Beyond-Gravity-Werk in Berndorf hergestellt. Er besteht aus mehreren Schichten hauchdünner Spezialkunststofffolien und soll die empfindliche Technik vor extremer Hitze und Kälte bewahren.
Auch Sentinel-3C trägt die Isolierung aus Niederösterreich. Nach Angaben des Unternehmens wird nahezu jeder europäische ESA-Satellit mit Thermalisolation von Beyond Gravity geschützt.
FLEX steht für "Fluorescence Explorer". Der Satellit soll untersuchen, wie Pflanzen auf Dürre, Hitze und andere Umweltbelastungen reagieren. Dafür misst FLEX aus rund 800 Kilometern Höhe ein Signal, das für Menschen mit freiem Auge unsichtbar ist: Pflanzen geben während der Photosynthese eine schwache Fluoreszenz ab. Deren Stärke verändert sich abhängig vom Zustand der Vegetation.
Die Daten sollen zeigen, wo Pflanzen unter Stress stehen und wie sich Kohlenstoff und Wasser durch die Ökosysteme bewegen. FLEX ist für eine Missionsdauer von dreieinhalb Jahren ausgelegt.
Mit Sentinel-3C fliegt gleichzeitig ein weiterer Erdbeobachtungssatellit ins All. Er ist der dritte Satellit der Sentinel-3-Reihe. Seine Vorgänger befinden sich bereits im Orbit.
Die Satelliten beobachten unter anderem Ozeane, Landflächen, Eis und Atmosphäre. Ihre Daten werden etwa für Umweltbeobachtung und Wettervorhersagen verwendet.
Beyond Gravity Austria, früher RUAG Space Austria, beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. Etwa 30 davon arbeiten am Standort Berndorf. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von rund 57 Millionen Euro und liefert seine Weltraumtechnik praktisch vollständig ins Ausland.
Neben Thermalisolation produziert die Firma unter anderem Elektronik, Mechanik und Systeme für Satelliten und Trägerraketen.