Die Ausgangslage hätte für Felix Gall kaum spannender sein können. Nach dem schweren Sturz und dem verletzungsbedingten Aus von Topfavorit Tadej Pogacar rückte der Österreicher plötzlich noch stärker in den Kreis der Anwärter auf den Vuelta-Sieg.
Auf der neunten Etappe folgte am Sonntag die erste große Bewährungsprobe. Galls Team Decathlon machte am Alto de Aitana früh ernst und bereitete eine Attacke seines Kapitäns vor. Doch am Ende war es ausgerechnet Gesamtleader Enric Mas, der allen davonfuhr.
Gall musste sich mit Rang vier begnügen und verlor weitere 18 Sekunden auf den Spanier. In der Gesamtwertung bleibt der 28-Jährige Dritter, sein Rückstand auf das Rote Trikot beträgt nun 1:39 Minuten.
Dabei hatte Galls Mannschaft auf der 187 Kilometer langen Hammer-Etappe alles auf den Österreicher ausgerichtet. Mehr als 5.000 Höhenmeter machten den Tag zur bisher härtesten Prüfung der Spanien-Rundfahrt.
Rund 50 Kilometer vor dem Ziel übernahm Decathlon im Feld die Kontrolle. Auch im 22 Kilometer langen Schlussanstieg wurde das Tempo weiter verschärft. Neun Kilometer vor dem Ziel spannte sich ÖFB-Landsmann Gregor Mühlberger vor Gall.
Seine Arbeit zeigte Wirkung: Die Gruppe der Favoriten wurde immer kleiner, sieben Kilometer vor dem Ziel war Gall schließlich auf sich alleine gestellt. Der Giro-Zweite versuchte mehrmals, seine Konkurrenten abzuschütteln – ohne Erfolg.
Damit verpasste der Osttiroler zwar seinen zweiten Etappensieg bei einer Grand Tour nach seinem Triumph auf der Königsetappe der Tour de France 2023, im Kampf um das Vuelta-Podium ist aber weiterhin alles möglich.
Gall liegt als Gesamtdritter nur 21 Sekunden hinter Roglic. Hinter dem Österreicher folgt Onley mit 41 Sekunden Rückstand, Richard Carapaz liegt weitere 1:06 Minuten zurück. Auch Mühlberger fährt weiterhin eine starke Rundfahrt und ist mit 7:33 Minuten Rückstand Gesamtneunter.
"Man wünscht niemandem etwas Schlechtes, aber das Rennen ist jetzt wieder offen", erklärte Roglic nach dem Aus seines Landsmannes Pogacar. Mit seinem fünften Vuelta-Sieg könnte der 36-Jährige zum alleinigen Rekordhalter aufsteigen. Dennoch war auch er nach der Etappe unzufrieden: "Man kann immer noch hoffen, aber mit dem Tag bin ich nicht zufrieden."