Für viele Betroffene geht es um ihr gesamtes Lebenswerk. Nach einem aufsehenerregenden Urteil gegen die Volksbank Kärnten hoffen nun weitere Kunden auf Entschädigung. Im Zentrum steht ein mittlerweile entlassener Mitarbeiter einer Filiale in Villach, der Anlegern hohe Schäden verursacht haben soll.
Ende Mai verurteilte das Landesgericht Klagenfurt die Volksbank in erster Instanz zur Zahlung von insgesamt rund 1,121 Millionen Euro an drei Kunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Bank prüft derzeit, ob sie dagegen Berufung einlegen wird.
Für die Geschädigten könnte die Entscheidung weitreichende Folgen haben. Denn gegen die Volksbank laufen bereits weitere Schadenersatzverfahren. Laut Landesgericht Klagenfurt sind neben dem bereits entschiedenen Fall noch drei weitere Verfahren anhängig. Dabei geht es um rund 1,37 Millionen Euro, so die Kleine Zeitung.
Mehrere Anwälte vertreten weitere Betroffene. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geht derzeit von 35 Geschädigten aus. Manche Fälle wurden bereits außergerichtlich geregelt, andere landen vor Gericht.
Besonders belastend ist die Situation für ältere Kunden. Viele Betroffene sind 70 Jahre oder älter. Eine Frau schildert in der Kleinen Zeitung ihre Verzweiflung drastisch: "Mein ganzes Geld, das ich mir in 40 Jahren erarbeitet habe, ist weg und jetzt muss ich einen Anwalt und andere Kosten bezahlen, dass ich vielleicht einen Teil zurückbekomme. Und wer weiß, ob ich bis zu einem Urteil überhaupt noch lebe."
Für viele Geschädigte ist ein Gerichtsverfahren auch ein finanzielles Risiko. Neben den Anwaltskosten fallen laut Kleine Zeitung teils hohe Gerichtsgebühren an. Bei einem Fall mit einem Schaden von rund 800.000 Euro beträgt allein die Gerichtsgebühr etwa 14.000 Euro. Dazu kommen weitere Verfahrenskosten.
Besonders tragisch: Ein Pensionist, der laut Vorwürfen um rund 800.000 Euro gebracht worden sein soll, ist inzwischen verstorben. Nun müssen seine Erben entscheiden, ob sie den kostspieligen Rechtsstreit weiterführen.
Die Volksbank erklärt, dass bereits in mehreren Fällen außergerichtliche Einigungen erzielt wurden, so die Kleine Zeitung. Da sich die einzelnen Sachverhalte unterscheiden würden, müsse in manchen Fällen jedoch eine gerichtliche Klärung abgewartet werden.
Für mögliche Forderungen hat die Bank nach eigenen Angaben Rückstellungen von 14,5 Millionen Euro gebildet. Ob das ausreicht, wird von Anwälten der Geschädigten bezweifelt. Sie gehen von deutlich höheren Schadenssummen aus.
Der ehemalige Bankmitarbeiter weist sämtliche Vorwürfe zurück. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.