Sport

Geburtstag: Ein halbes Jahrhundert Maradona

Heute Redaktion
14.09.2021, 17:06

Der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten wird heute 50 Jahre alt. Kaum ein anderer Kicker hat die Menschen während und auch nach seiner aktiven Karriere so bewegt wie Diego Maradona - im positiven wie im negativen Sinn. Der Argentinier ist der lebende Beweis, dass Genie und Wahnsinn sehr knapp beieinander liegen - dabei sah es einige Zeit so aus, als würde er seinen 50. Geburtstag gar nicht erleben.

Am 30. Oktober 1960 erblickte Diego Armando Maradona in einem Armenviertel von Buenos Aires als viertes von sieben Kindern das Licht der Welt. Mit zwölf Jahren unterhielt er mit seinen Ballkünsten in der Halbzeitpause die Zuschauer bei Spielen der Argentinos Juniors. Kurz vor seinem 16. Geburtstag debütierte er für sie in der Liga, knapp ein halbes Jahr später für die Nationalmannschaft.

Von diesem Zeitpunkt an ist Maradonas Karriere gespickt mit Titeln und Rekorden. Nach einem Meistertitel mit den Boca Juniors wechselte er für die damalige Rekordablösesumme von umgerechnet 5,5 Millionen Euro zunächst zum FC Barcelona, wo er unter Verletzungen und Auseinandersetzungen mit der Klubführung litt. Trotzdem gewann er drei Titel, wenn auch keine Meisterschaft.

Das Tor des Jahrhunderts

Für die nächste Weltrekordsumme (zwölf Millionen Euro) ging Maradona 1984 nach Neapel, wo er zum absoluten Superstar avancierte. Er führte den Verein teilweise im Alleingang zu seinen einzigen beiden Meistertiteln in der Geschichte und einem UEFA-Cup Triumph. Doch in dieser Zeit gelangen ihm mit der Nationalmannschaft zwei der bekanntesten Tore aller Zeiten.

Auf dem Weg zum WM-Titel 1986 traf Argentinien im Viertelfinale auf England, gegen das noch wenige Jahre zuvor der Krieg um die Falkland-Inseln auf demütigende Weise verloren wurde. Doch Maradona nahm für sein Land Rache: Zunächst mit der "Hand Gottes", als er eine Flanke unbemerkt vom Schiedsrichter per Hand ins Netz beförderte, dann mit einem Treffer bei dem er mit einem 60-Meter-Dribbling die halbe englische Mannschaft ausspielte. Die FIFA wählte es später zum Tor des Jahrhunderts.

Ein Genie am Abgrund

Doch Maradonas Image erlitt während seiner Zeit in Neapel erste Kratzer, als er wegen Partys, Alkohol, Drogen, einem unehelichen Sohn und Mafia-Kontakten auffiel. 1992 verließ er Italien in Schande Richtung Sevilla, nachdem er eine 15-monatige Sperre wegen Kokain-Konsums absaß. Er hinterließ Steuerschulden, die heute mit Zinsen 37 Millionen Euro betragen. Von da an ging es sportlich bergab.

Er konnte keine Titel mehr gewinnen, wurde von der WM 1994 wegen Dopings ausgeschlossen. Nach dem Karriereende 1997 kam zu Maradonas Vorliebe für Kokain und Alkoholk auch noch gutes Essen hinzu. Ihm musste auf Kuba der Magen verkleinert werden, da seine Überlebenschancen schlecht standen. In dieser Zeit wurde er auch ein enger Freund von Diktator Fidel Castro, dessen Tattoo er auf dem linken Bein trägt. Seiner Beliebtheit tat dies alles jedoch keinen Abbruch - Maradona hatte eine eigene Fernsehsendung, seine Anhänger gründeten sogar eine Kirche in seinem Namen.

Rückkehr zum Sport

Zehn Jahre und zahlreiche Krankenhausaufenthalte später schien er den Kampf gegen seine Dämonen gewonnen zu haben und wurde zum Trainer der argentinischen Nationalmannschaft gemacht. Er schaffte die Qualifikation für die WM 2010 in letzter Minute, wo im Viertelfinale gegen Deutschland Schluss war. Seine oft ordinären und direkten Aussagen sorgten für viel Furore, gaben dem Fußballsport aber wegen ihrer Ehrlichkeit die nötigen Emotionen zurück, die in den letzten Jahren aus PR-Gründen oft verdrängt wurden.

Ob geliebt oder gehasst - Maradona lässt niemanden kalt. Und das hoffentlich noch viele Jahre lang.

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