Klarträume faszinieren die Wissenschaft seit langem. Das Besondere: Der Träumer erlebt eine völlig normale Traumwelt, merkt aber gleichzeitig, dass er träumt, und kann deshalb bewusst Entscheidungen treffen. Diese Mischung aus Schlaf und voller Kontrolle macht Klarträume für Forscher wertvoll, denn sie bieten eine seltene Chance, innere Erfahrungen mit messbaren Signalen zu verbinden. Allerdings bleibt vieles unklar, denn Träume sind flüchtig, persönlich und oft erst nach dem Aufwachen erinnerbar.
Wie das Nachrichtenportal forschung-und-wissen.de berichtet, behauptet nun ein Start-up, erstmals sei eine Form von Traumkommunikation zwischen zwei schlafenden Personen gelungen. Der Kern solcher Versuche ist üblicherweise nicht ein echtes Gespräch, sondern eine sehr einfache Nachricht - etwa ein einzelnes Wort oder eine Ja-Nein-Antwort, die beim Aufwachen korrekt wiedergegeben wird. Doch genau hier beginnt die wissenschaftliche Hürde: Ein zufälliger Treffer könnte durch Zufall entstehen, durch unbewusste Hinweise im Wachzustand oder durch kurze Wachphasen im Schlaf.
Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, verlassen sich Forscher auf Polysomnographie - eine Technik, die mehrere Signale gleichzeitig aufzeichnet. Besonders wichtig sind die elektrische Gehirnaktivität, Atmung und die Augenbewegungsmuster, denn diese zeigen zuverlässig, in welcher Schlafphase sich eine Person befindet. Im REM-Schlaf ist das Gehirn besonders aktiv, während der Körper entspannt bleibt - und genau dann berichten viele Menschen von lebhaften Träumen. Für Experimente zählt nicht nur, ob jemand etwas träumt, sondern ob der Zeitpunkt der Reaktion eindeutig im Schlaf liegt und ob das Signal zur Aufgabe passt.
Eine wichtige frühere Studie aus dem Jahr 2021 in der Fachzeitschrift Current Biology zeigt, dass Traumkommunikation prinzipiell möglich ist, wenn ein Klartraum eindeutig nachgewiesen wird und die Aufgabe so gestaltet ist, dass Zufallstreffer selten bleiben. Die Forscher nutzten fest vereinbarte Augenbewegungen und gezielte Gesichtsbewegungen, um während des Schlafs Antworten zu kodieren. Sie arbeiteten auch mit erfahrenen Schlafspezialisten zusammen, um die Signale auszuwerten. Solche Protokolle zeigen, wie anspruchsvoll und komplex diese Umgebung ist - besonders im Schlaflabor, wo Störungen, Laute und Bewegungen genau dokumentiert werden müssen.
Wenn ein System mit einem Server arbeitet, der Schlafphasen erkennt und zu bestimmten Zeitfenstern Reize einspielt, muss die gesamte zeitliche Abfolge ohne Lücken dokumentiert werden - sonst bleibt unklar, ob ein Treffer wirklich im Traum oder nur kurz davor entstand. Eine 2024 veröffentlichte Studie zeigte einen anderen Weg: Forscher koppelten Antworten aus dem Klartraum nicht an eine zweite Person, sondern an einen Computer. Sie nutzten vorher vereinbarte Augenbewegungen zur Überprüfung und erfassten Steuerbefehle über Muskelaktivität, wodurch sich ein virtuelles Objekt in Echtzeit bewegen ließ. Solche Designs zeigen, wo die Hauptprobleme liegen: Wie sauber sind die Signale, wie oft treten sie ohne Aufgabe auf, und wie gut lassen sie sich zwischen Personen vergleichen?
Falls sich ein zuverlässiger Austausch im Klartraum tatsächlich bestätigen ließe, hätte das vielfältige Anwendungen - von der Behandlung belastender Albträume bis zu neuen Trainingsformen, bei denen Aufgaben im Traum geübt werden. Aber der wichtigste nächste Schritt ist eine transparente Überprüfung durch unabhängige Teams. Das bedeutet: klare Vorhersagen zu den Hypothesen, Zugang zu den Rohdaten und eine genaue Beschreibung, wie Schlafphasen erkannt und Reize ausgelöst werden. Nur wenn sich eine Traumkommunikation zwischen zwei Personen in mehreren Wiederholungen mit klarer Trefferquote zeigt und auch dann funktioniert, wenn Auswerter verblindet sind, lässt sich sagen, ob es um einen echten neuen Kommunikationskanal im Schlaf geht oder nicht.