Stell dir vor, du sitzt an deinem Arbeitsplatz und wirst plötzlich in einen Konferenzraum gerufen. Dort eröffnet man dir die fristlose Kündigung - mit der Begründung, du seist Betreiberin eines rechtsextremen Dating-Portals. Genau das ist der Berlinerin Liv Heide passiert.
Der deutsche Inlandsgeheimdienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), hatte die unbescholtene Hochschulmitarbeiterin mit einer Neonazi-Aktivistin verwechselt, die 2017 ein rassistisches und antisemitisches Kennenlernportal gegründet hatte.
Wie heise.de unter Berufung auf die "Zeit" berichtet, stammten beide Frauen aus derselben Gemeinde, waren fast gleich alt und waren nach Berlin gezogen. Diese oberflächlichen Gemeinsamkeiten reichten den Geheimdienstlern offenbar aus, um die falsche Person als "klar identifiziert" in einem Sachstandsbericht zu führen.
Die Information wurde vom Bundesamt an den Berliner Verfassungsschutz weitergeleitet, der sie mit behördlichem Siegel an die Hochschule übermittelte. Die Konsequenz: Liv Heide wurde im Juli 2024 fristlos entlassen - ohne vorher auch nur angehört zu werden.
Erst nach massivem juristischen Druck lenkte das Berliner Landesamt im Oktober 2024 ein und räumte den Fehler ein. Doch da war es bereits zu spät: Heides Stelle war längst neu besetzt.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat mittlerweile bestätigt, dass der Fall bekannt sei. Eine behördeninterne Überprüfung des Vorgangs laufe noch. Im Fokus stünden dabei die besonderen Anforderungen bei der Zuordnung von Internet-Identitäten zu realen Personen.
Liv Heide arbeitet heute in einem Einrichtungsgeschäft und versucht, ihr Leben wieder aufzubauen. Die echte Rechtsextremistin lebt derweil unbehelligt in Norddeutschland.