Angesichts der Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Filz im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ist auch beim Bayerischen Rundfunk (BR) Kritik wegen angeblicher Geldverschwendung laut geworden. Konkret geht es um die Höhe der Abfindung, die Reinhard Scolik für die vorzeitige Vertragsauflösung erhielt. Der 64-Jährige war von 2002 bis 2006 Fernseh-Programmdirektor im ORF.
2016 zog es Scolik dann nach Deutschland, er übernahm den Posten des Fernsehdirektors des Bayerischen Rundfunks (BR). Diese Funktion nahm er bis 2020 ein. Im Herbst des vergangenen Jahres soll die seit Februar 2021 tätige Intendantin Katja Wildermuth Scolik als einen ihr unliebsamen Direktor mit einer Mega-Abfindung nach Hause geschickt haben – laut "Bild"-Infos soll er bis zu 700.000 Euro einkassiert haben.
Der BR wiederholte am Donnerstag sinngemäß seine frühere Stellungnahme: "Wie bereits bekannt, hat Herr Dr. Scolik den BR in gegenseitigem Einvernehmen verlassen, darüber hinaus wurde Stillschweigen vereinbart", sagte BR-Sprecher Markus Huber auf Anfrage. Scolik selbst wollte sich zur Thematik nicht äußern, er verwies ebenfalls auf die Verschwiegenheitsklausel. Der Vertrag des 64-Jährigen wäre noch bis zum Beginn seines Ruhestandes Ende September 2024 gelaufen.
Doch als Widermuth im Februar 2021 die Intendanten-Funktion übernahm, kam alles ganz anders. Im Sender sagten bei Scoliks Ausscheiden viele, dass Wildermuth und er recht unterschiedliche Vorstellungen hatten.
BR-Sprecher Huber sagte zur Vertragsauflösung: "Die Vereinbarung wurde von dem dafür zuständigen Gremium, dem Verwaltungsrat des BR, nach Prüfung genehmigt". Der BR wolle sich weder zu den Gründen des Ausscheidens noch zu Details der Vereinbarung äußern. BR-Rundfunkratsmitglied und Medienmanager Helmut Markwort monierte in der "Bild", es könne nicht sein, dass der Sender einem ausscheidenden Direktor eine "hohe sechsstellige Abfindung zahlt und dem Rundfunkrat genaue Informationen vorenthält".