Der ORF steht vor einem abrupten Führungswechsel! Generaldirektor Roland Weißmann hat Stiftungsratschef Heinz Lederer sowie dessen Stellvertreter Gregor Schütze über seinen Rücktritt informiert. Der Schritt erfolgte mit sofortiger Wirkung – "Heute" berichtete.
Auslöser sind Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin. Sie hat in den vergangenen Tagen Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung erhoben. Weißmann weist diese Vorwürfe entschieden zurück – für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
"Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte", stellt Anwalt Oliver Scherbaum klar.
Und weiter: "Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher am Sonntag, 8. März 2026 um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück."
Der Fall soll nun rasch aufgeklärt werden. Laut Stiftungsrat müsse dies transparent und in enger Zusammenarbeit mit der ORF-Compliance-Stelle passieren. Dabei müsse vor allem der Schutz der betroffenen Person gewährleistet sein, betonen der Vorsitzende und sein Stellvertreter.
Gleichzeitig bedanken sich Lederer und Schütze bei Weißmann für seine Arbeit im Sender. Sie würdigen seine Verdienste und seine rund 30-jährige Tätigkeit im ORF. An den geplanten Sitzungen des Stiftungsrates in dieser Woche ändert der Rücktritt nichts. Das Gremium tagt wie vorgesehen.
Nach dem Rücktritt von Weißmann kommen nun jedenfalls immer mehr Details ans Licht. Laut "Heute"-Infos soll es ein heimlich mitgeschnittenes Tonband geben – aufgenommen im höchstpersönlichen, privaten Konnex. Dieses wurde dem Stiftungsrat zugspielt. "Das erinnert frappant an das Ibiza-Video", sagt ein hochrangiger Küniglberg-Insider.
Außerdem heißt es weiter: "Das ist ein Anschlag!" – das mutmaßliche Opfer soll zudem ein Naheverhältnis zu einem hochrangigen Küniglberg-Mitarbeiter haben.
Bereits in der Plenarsitzung am Donnerstag soll eine Übergangslösung beschlossen werden. Nach dem Vorschlag von Lederer und Schütze soll die aktuelle Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher vorläufig die Geschäfte des Generaldirektors führen.
Heinz Lederer erklärt dazu: "Es ist die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist. Mit der von uns als Generaldirektorin vorgeschlagenen Ingrid Thurnher ist dies sichergestellt!"
Auch Gregor Schütze sieht den Sender damit stabil aufgestellt: "Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt. Ingrid Thurnher wird den ORF mit ihrer großen Erfahrung souverän durch diese herausfordernden Zeiten führen!"
Für den Anwalt von Roland Weißmann steht jedenfalls fest: "Die mediale Verbreitung der in keinster Weise aufgeklärten Vorwürfe stellt eine völlig unangemessene und überschießende Reaktion dar. Diese Vorgehensweise, wie auch eine allfällige Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, verletzen die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten massiv und werden zu entsprechenden rechtlichen Schritten führen."
Dieser Vorgang geschehe "bezeichnenderweise wenige Monate vor der bevorstehenden Generaldirektorwahl im ORF".
Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat sich mittlerweile auch die stellvertretende Klubobfrau und Mediensprecherin der Grünen, Sigi Maurer, geäußert: "Der Rücktritt des ORF-Generaldirektors ist ein richtiger und notwendiger Schritt, um weiteren Schaden vom ORF abzuwenden. In einer Situation, in der schwerwiegende Vorwürfe im Raum stehen, ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und die Institution zu schützen."
Im Rücktritt sieht Maurer auch ein deutliches Signal und einen Auftrag an den gesamten ORF: "Ein zeitgemäßer öffentlich-rechtlicher Rundfunk braucht eine Unternehmenskultur und Strukturen, die Machtmissbrauch verhindern, Betroffene schützen und ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen, in dem Respekt und Integrität selbstverständlich sind."
Der von der FPÖ nominierte Stiftungsrat Peter Westenthaler findet ebenfalls deutliche Worte – übt aber am Vorgehen des Stiftungsratschefs scharfe Kritik! Gegenüber "Heute" spricht er von einem "Alleingang des roten Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer".
Westenthaler kritisiert vor allem, dass das Gremium seiner Ansicht nach nicht ausreichend eingebunden worden sei. "Der mutmaßliche Skandal war seit Tagen bekannt. Weder wurde der Stiftungsrat in die Ereignisse der letzten Tage eingebunden noch bei der interimistischen Führungsentscheidung", erklärt er gegenüber "Heute".
Für den FPÖ-Stiftungsrat ist die Sache deshalb klar. "Damit ist auch er rücktrittsreif und sollte gleich den Hut nehmen. Lederer hat alle Regelungen, die es gibt, missachtet und den Stiftungsrat übergangen."