Paukenschlag im ORF

Sexuelle Belästigung – das wird Weißmann vorgeworfen

ORF-Chef Roland Weißmann hat seinen Rücktritt erklärt. Eine Mitarbeiterin hatte zuvor Vorwürfe sexueller Belästigung erhoben. Die Hintergründe.
André Wilding
09.03.2026, 09:26
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Der ORF steht vor einem Führungswechsel: Generaldirektor Roland Weißmann hat Stiftungsratschef Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze über seinen sofortigen Rücktritt informiert.

Hintergrund sind Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin. Sie hat gegenüber Weißmann Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung erhoben. Der bisherige ORF-Chef weist diese Vorwürfe zurück.

"Frist von wenigen Tagen eingeräumt"

"Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte", teilt sein Anwalt Oliver Scherbaum mit.

Und weiter: "Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher am Sonntag 08. März 2026 um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück."

Für den Stiftungsrat steht nun die rasche Aufklärung im Mittelpunkt. "Der im Raum stehende Vorwurf verlangt dennoch eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle, bei der die Wahrung des Schutzes der betroffenen Person das oberste Ziel sein müsse", erklären der Stiftungsrats-Vorsitzende und sein Stellvertreter.

Ingrid Thurnher übernimmt

Gleichzeitig bedanken sich Lederer und Schütze bei Weißmann für seine Arbeit im Sender. Sie würdigten seine Verdienste und seine rund 30-jährige Tätigkeit im ORF. Die geplanten Sitzungen des ORF-Stiftungsrates in dieser Woche finden wie vorgesehen statt. Bereits am Donnerstag soll eine Übergangslösung beschlossen werden.

Nach dem Vorschlag von Lederer und Schütze soll die derzeitige Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher vorübergehend die Führung der Geschäfte übernehmen. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in leitenden redaktionellen Funktionen sowie mehr als vier Jahren im ORF-Direktorium könne sie den Sender in dieser Phase führen.

Stiftungsratschef Heinz Lederer betont: "Es ist die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist. Mit der von uns als Generaldirektorin vorgeschlagenen Ingrid Thurnher ist dies sichergestellt!"

"Herausfordernde Zeiten"

Auch sein Stellvertreter Gregor Schütze sieht den ORF damit gut aufgestellt: "Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt. Ingrid Thurnher wird den ORF mit ihrer großen Erfahrung souverän durch diese herausfordernden Zeiten führen!"

An den langfristigen Plänen für die Führung des Senders soll sich durch den Rücktritt nichts ändern. Der Zeitplan für die Neubestellung der ORF-Geschäftsführung für die Periode ab 1. Jänner 2027 bleibt unverändert.

Für Roland Weißmann gilt die Unschuldsvermutung.

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