Eine aktuelle EU-Umfrage zu geschlechtsspezifischer Gewalt der EU-Grundrechteagentur und des Instituts für Gleichstellung sorgt für Aufregung. Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor ein großes Problem und wird auch nur selten gemeldet. Dennoch ist die Zahl hoch. Jede dritte Frau in der EU leide demnach unter körperlicher und/oder sexueller Gewalt.
Zu den häufigsten Formen von Übergriffen zählen Gewalt in Paarbeziehungen, psychische Gewalt, wirtschaftliche Gewalt und Cybergewalt. In einer gemeinsamen Pressekonferenz forderten die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) und das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) die Verantwortlichen in Brüssel dazu auf, Recht, Politik und Praxis den Erfahrungen von Frauen anzupassen.
Es wird kritisiert, dass die Mitgliedstaaten keine klaren Verpflichtungen hätten, Gewalt zu verhindern, Opfer zu schützen und den Zugang zur Justiz zu gewährleisten. Es bestehe "dringender Handlungsbedarf". Missbrauch dürfte nicht normalisiert, verschleiert oder ignoriert werden. Es wurde betont, dass Gewalt gegen Frauen eine Verletzung der Grundrechte sei.
Frauen müssten sich darauf verlassen können, dass sie von Institutionen geschützt werden. Regierungen sollten für Prävention, frühzeitiges Eingreifen, spezialisierte, geschlechtersensible und opferzentrierte Dienste sorgen. Dies sollte in der EU Standard sein.
Doch wie steht es um die Gewalt an Frauen in Österreich? Hierzulande liegt man knapp unter dem EU-Schnitt. Während in der EU jede zehnte Frau von ihrem Partner körperlich angegriffen und verletzt wurde, liegt die Zahl in Österreich bei 8,6 Prozent. Ganze 4,9 Prozent der Österreicherinnen hatten demnach schon Todesangst wegen ihres Partners, in der EU sind es 6,6 Prozent.
Auch bei Vergewaltigungen schaut es laut dem Bericht düster aus. EU-weit war jede zehnte Frau Opfer eines Sexualverbrechens. Österreich liegt hier mit 8,7 Prozent knapp darunter. Mit 22 Prozent ist hier Schweden der traurige Spitzenreiter. In Bulgarien hingegen liegt die Quote nur bei 2,3 Prozent.
Auffallend ist, dass hier Beziehungstaten seltener angezeigt werden (6,1 Prozent), als Gewalt durch eine fremde Person (11,3 Prozent). Besonders hoch ist die Zahl, was psychische Gewalt betrifft. Nahezu ein Drittel der Frauen hat solche Situationen in einer Beziehung erlebt. In Österreich waren es sogar 36,9 Prozent. Im Internet wurden 8,5 Prozent der Frauen in der EU Opfer von Stalking, sieben Prozent von sexueller Belästigung.