Im Fünf-Sterne-Hotel Interalpen in Telfs stehen mehrere Führungskräfte im Zentrum massiver Anschuldigungen. Ehemalige Kochlehrlinge berichten von sexueller Belästigung, rassistischen Beschimpfungen und körperlichen Übergriffen.
Das Luxushotel am Seefelder Plateau gilt als eines der renommiertesten Häuser im Alpenraum. Auf 1.300 Metern Seehöhe gelegen und architektonisch markant gestaltet, zieht es internationale Gäste an. Doch hinter der Fassade sollen sich laut einem Bericht des Online-Magazins "Dossier" gravierende Missstände abgespielt haben. Demnach richten sich die Vorwürfe gegen insgesamt vier Vorgesetzte.
Die ehemaligen Lehrlinge schildern unter anderem sexuelle Belästigungen, Beleidigungen und tätliche Angriffe. Auch gegen den mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Küchenchef werden Vorwürfe erhoben. Er soll Grenzen überschritten und Übergriffe nicht unterbunden haben. "Dossier" wertete nach eigenen Angaben Fotos, Videos und Chatnachrichten aus.
In einem geschilderten Fall soll eine junge Frau von einer männlichen Führungskraft bedrängt worden sein. Der Mann habe "sie schon öfter belästigt und klopfte mitten in der Nacht stockbetrunken an ihre Zimmertür", sich ein andermal "hinter ihr stehend nackt ausgezogen" oder einem anderen Auszubildenden befohlen haben, sie zu fragen, "wie sich die Konsistenz ihrer Brüste anfühle".
Weitere Vorgesetzte sollen Lehrlinge gezwickt und geschlagen oder mit einer Spielzeugwaffe beschossen haben. Zudem ist von rassistischen Parolen, vulgären Ausdrücken und Beleidigungen die Rede. Dem Küchenchef wird vorgeworfen, eine junge Frau gefragt zu haben, ob sie ein Stück Schokolade von einem Gummi-Penis essen wolle, der in seinem Büro aufgestellt gewesen sei.
Das Hotel erklärte gegenüber "Dossier": "Ein Fehlverhalten von MitarbeiterInnen – insbesondere jede Form sexueller Belästigung, Diskriminierung jeglicher Art sowie Machtmissbrauch – ist inakzeptabel und wird nicht toleriert". Weiters heißt es: "Wir verurteilen die Vorfälle aufs Schärfste."
Laut Stellungnahme seien bereits disziplinarische Maßnahmen gesetzt worden. Mindestens drei der vier betroffenen Männer mussten ihre Posten räumen. Der Küchenchef ist offenbar weiterhin im Unternehmen tätig.
Auch externe Stellen befassen sich mittlerweile mit dem Fall. Die Tiroler Arbeiterkammer bestätigte gegenüber der "Tiroler Tageszeitung", dass "sich Lehrlinge an uns gewandt und wir bei der Geschäftsleitung des Hotels interveniert haben". Ob weitere rechtliche Schritte folgen, ist derzeit offen.
Konsequenzen gibt es bereits bei einer Auszeichnung: Das Land Tirol führt das Interalpen heuer erstmals seit Jahren nicht mehr auf der Liste der ausgezeichneten Lehrbetriebe. "Für die Jahre 2017 bis 2025 wurde dieses Prädikat verliehen", heißt es in einer Stellungnahme an die "Tiroler Tageszeitung". "Für die Periode 2026 bis 2028 liegt keine Auszeichnung vor."
Zwar habe das Hotel eine Verlängerung beantragt, während der Überprüfung seien jedoch die "im Raum stehenden Vorwürfe" bekannt geworden. "Daraufhin hat das Unternehmen den Antrag auf Verlängerung zurückgezogen."