Traditionshaus in Salzburg

Lohn nicht bezahlt? Schwere Vorwürfe gegen Bäckerei

Mehr als 30 Ex-Mitarbeiter meldeten sich bei der AK Salzburg – es geht um Löhne, die nicht oder zu spät ausbezahlt worden sein sollen.
Christoph Weichsler
04.02.2026, 12:58
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

In Salzburg steht die Traditionsbäckerei Essl unter massivem Druck: Seit 2024 haben sich laut Berichten von "ZackZack" und den "Salzburger Nachrichten" mehr als 30 ehemalige Beschäftigte an die Arbeiterkammer Salzburg gewandt. Der Vorwurf: Löhne sollen über Jahre nicht, nicht fristgerecht oder in deutlich zu geringer Höhe ausbezahlt worden sein.

"In der Dimension ist das unüblich", sagte Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsschutzabteilung, zur APA. Laut AK sei das Muster oft ähnlich: Mitarbeiter arbeiten, werden aber nicht ordnungsgemäß bezahlt – viele würden dann vorzeitig austreten oder das Dienstverhältnis werde beendet, sobald sie sich an die AK wenden.

AK klagte – Gericht erließ Zahlungsbefehle

Nur in wenigen Fällen sei nach Intervention der Arbeiterkammer der eingeforderte Lohn oder zumindest ein Teil davon nachbezahlt worden. In den meisten Fällen habe die AK Klagen beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht – das führte zu bedingten Zahlungsbefehlen durch das Gericht.

Teilweise sei es danach überraschend zu außergerichtlichen Einigungen gekommen, so Typplt. Oft seien aber auch nach Erhalt des Zahlungsbefehls die geforderten Beträge nur teilweise bezahlt worden – mit Stand Ende Jänner 2026 waren laut "SN" erneut vier Verfahren am Arbeits- und Sozialgericht anhängig.

Chefin: "Sehe bei mir keine Versäumnisse"

Operative Geschäftsführerin der Bäckerei ist Stefanie Essl, frühere ÖVP-Gemeinderätin und seit März 2023 Bezirksobfrau des Wirtschaftsbundes Salzburg-Stadt. Im Firmenbuch scheint als Geschäftsführer allerdings ihr Vater auf, Essl hält 91 Prozent der Gesellschaftsanteile.

Gegenüber "ZackZack" und "SN" wies Essl die Vorwürfe zurück: Die vom Gericht beauftragten Zahlungen seien erledigt. Sie habe grundsätzlich immer den vereinbarten Lohn ausbezahlt. "Es liegt mir fern, Mitarbeiter nicht rechtens zu bezahlen." Viele seien unberechtigt vorzeitig ausgetreten – sie sehe bei sich "keine Versäumnisse".

Wirtschaftsbund kündigt Statement an

Zusätzliche Brisanz bekommt der Fall durch Essls politische Funktion: Der Wirtschaftsbund kündigte am Mittwochvormittag für den Laufe des Tages eine Presseinformation an. Zu den vier offenen Verfahren könne Essl derzeit nichts sagen.

Sie glaube zudem, dass ehemalige Beschäftigte "einen wahnsinnigen Hass" auf sie hätten. Als Grund nannte sie, dass sie auf die Einhaltung von Arbeitszeiten poche: "Wir sind oft nicht im Guten auseinandergegangen."

Insolvenz 2024 – Betrieb läuft weiter

Über die Essl GmbH wurde im September 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Laut Arbeiterkammer datieren die ersten Beschwerden aber bereits aus der Zeit davor. Damals betrugen die Verbindlichkeiten 482.000 Euro.

Die Gläubiger nahmen einen Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent an, die Zahlungsfrist endet im Dezember 2026. Der Betrieb wurde weitergeführt – laut Firmenbuch beschäftigte die Essl GmbH zuletzt 25 Mitarbeiter.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 04.02.2026, 12:58
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen