Ruf nach Einheimischentarifen

Sparpreis für Österreicher – das soll billiger werden

Während der Tourismus boomt, ächzt die lokale Bevölkerung unter hohen Preisen für Skilifte & Co. Tirols LH Mattle fordert nun Einheimischentarife.
Nicolas Kubrak
16.02.2026, 20:36
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Österreichs Tourismus im Rekordhoch. 2025 wurden rund 157,2 Millionen Nächtigungen gezählt – so viele wie noch nie seit Beginn der digitalen Erfassung im Jahr 1974. Treiber des Booms sind vor allem internationale Gäste, deren Übernachtungen auf 116,81 Millionen stiegen (+2,4 Prozent). Damit entfielen fast drei Viertel aller Nächtigungen auf Urlauber aus dem Ausland.

EU-Zwist um Einheimischentarife

Trotz florierendem Tourismus verharren die Preise für Skilifte und Co. auf hohem Niveau. Tagestickets um 80 Euro oder mehr sind mancherorts längst üblich. Besonders für die heimische Bevölkerung wird das zur Belastung.

In Österreich wurde lange Zeit von sogenannten "Einheimischentarifen" Gebrauch gemacht, um das Skifahren für lokale Einwohner günstiger zu machen. Klagen bei der EU besiegelten das Aus der Preisvorteile, da diese in Bezug auf andere EU-Staatsbürger diskriminierend seien. Trotzdem gelten die Tarife nach wie vor in vielen Regionen der Welt.

Tirol prescht vor

Ein Umstand, den das Land Tirol nicht länger akzeptieren möchte. Landeshauptmann und Chef der LH-Konferenz Anton Mattle macht sich seit Längerem für die Beibehaltung von Einheimischentarifen stark. Im Herbst 2025 hat Mattle die Angelegenheit persönlich mit EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas besprochen, Ende des Jahres hat der Landeshauptmann bei einem Brüssel-Besuch die Position erneut bekräftigt.

Tirol strebt eine große Lösung auf europäischer Ebene an, um die Einheimischentarife ein für alle Mal außer Streit zu stellen. Hemmschuh ist die sogenannte Geoblocking-Verordnung, die festlegt, dass es bei Dienstleistungen keine diskriminierenden Anforderungen gibt, die auf Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz beruhen. Nach diesen Vorgaben wurde in Tirol bereits mehreren Seilbahnunternehmern das Gewähren von Einheimischentarifen untersagt.

Mattle: "Anerkennung der Gastfreundschaft"

Der Tiroler Landeschef sagt im Gespräch mit "Heute": "Ohne die heimische Bevölkerung würde es die blühende Tourismusbranche nicht geben. Die Menschen, die hier leben, verdienen es, von diesem Wohlstand direkt zu profitieren. Vorteile für Einheimische sind keine Diskriminierung, sondern eine gerechte Anerkennung für die Gastfreundschaft in unserem Land."

Die heimischen Betriebe würden Wege suchen, den Einheimischen vergünstigte Tarife und Angebote bieten zu können. "Deshalb ist es wichtig, dass wir eine europäische Lösung zustande bringen, die die Einheimischentarife nicht als Diskriminierung abtut, sondern im Sinne der Tourismusakzeptanz zulässt und ein für alle Mal außer Streit stellt." Mattle appelliert an andere Parteien, den Kampf für Einheimischentarife zu unterstützen.

FPÖ-EU-Parlamentarier Gerald Hauser setzt sich ebenfalls für Einheimischentarife ein.
APA-Images / SEPA.Media / Isabelle Ouvrard

FPÖ mit Anfrage an EU-Kommission

Rückendeckung erhält der Tiroler Landeshauptmann von der freiheitlichen Fraktion im EU-Parlament. Abgeordneter Gerald Hauser pocht ebenfalls auf "faire, niedrige Tarife" für die lokale Bevölkerung. "Oft können sich Familien vor Ort die hohen Preise für Liftkarten etc. nicht leisten und die Infrastruktur in ihrer Region nicht nutzen, die sie über kommunale oder touristische Abgaben mitfinanzieren", so Hauser.

Der freiheitliche EU-Abgeordnete betont: "Ich bin in einer Tourismusregion groß geworden und weiß, dass Tourismusakzeptanz nur möglich ist, wenn die lokale Bevölkerung an den Angeboten teilnimmt. Genau hier müssen wir ansetzen." Er werde zu diesem Thema eine schriftliche Anfrage an die EU-Kommission stellen: "Wir müssen Einheimischentarife für die lokale Bevölkerung zukünftig generell ermöglichen. Dafür braucht es Rechtssicherheit für alle Anbieter auf EU- wie auch auf nationaler Ebene."

{title && {title} } nico, {title && {title} } Akt. 16.02.2026, 20:56, 16.02.2026, 20:36
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