Große Versprechen, wenig spürbare Wirkung: Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat eine "echte Aufholjagd in der Bildung"für dieses Schuljahr mit weniger Bürokratie und mehr Unterstützung angekündigt. Doch aus Sicht der Lehrergewerkschaft kommt davon an Schulen bislang kaum etwas an.
Der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) sieht zwischen Ankündigungen und Schulalltag eine deutliche Lücke. "Der Minister zeigt sich engagiert, aber auf seine Verheißungen wie eine Entbürokratisierung warten die Schulen noch."
Zwar seien zu Beginn des Schuljahres 80 Prozent der Ministeriumserlässe gestrichen worden. Eine tatsächliche Entlastung habe das aber offenbar nicht gebracht. "Mir hat aber noch keine Schule berichtet, dass dadurch eine Entlastung entstanden wäre - im Gegenteil", sagte Kimberger im Gespräch mit der APA. Nach wochenlangen Diskussionen seien teilweise gestrichene Vorgaben nachträglich wieder eingeführt worden, weil sie doch benötigt würden.
Als Beispiel nennt der Gewerkschafter den Aufsichtserlass zur konkreten Ausgestaltung der Aufsichtspflicht. "Da geht es um Rechtssicherheit! Lehrer sind ja keine Juristen, sondern Pädagogen."
Auch bei der angekündigten personellen Verstärkung zeigt sich Kimberger skeptisch. Die zusätzlichen Kräfte seien "mit Vorsicht zu genießen". "Der Minister ist mit der Zahl von 1.300 Deutschförderkräften rausgegangen und in der Schule hat sich dann jeder irgendwo gefragt: OK, aber wer soll das machen?"
Keine Verbesserung sieht er zudem bei der geplanten Neuregelung der Deutschförderung. Schulen sollen künftig wieder mehr Spielraum bekommen und nicht mehr zwingend separate Deutschförderklassen führen müssen. Allerdings müssen sie dafür bis Mitte April ein eigenes Sprachförderkonzept im Ministerium einreichen. Für Kimberger ist das ein Widerspruch zur angekündigten Entbürokratisierung: "In Zeiten, wo Entbürokratisierung die permanente Überschrift ist, halte ich das für total daneben."
Viele Schulen hätten ihm bereits signalisiert, dass sie sich diesen zusätzlichen Aufwand nicht antun wollen. Stattdessen würden sie bei den oft ungeliebten separaten Förderklassen und -kursen bleiben.
Durchwachsen fällt auch seine Bilanz beim Ausbau der Sekretariatskräfte aus. Aufgrund der Budgetkonsolidierung sei mit weniger Stellen bei den neuen pädagogisch-administrativen Fachkräften gestartet worden. Von den vorgesehenen 190 Posten sei derzeit nur rund ein Drittel besetzt.
Und auch bei Schulpsychologie und Schulsozialarbeit ortet Kimberger Nachholbedarf: Zwar seien zusätzliche Stellen ausgeschrieben worden, "ich habe aber noch keinen zusätzlichen Schulpsychologen getroffen".