Die Lage in den Wiener Kindergärten ist teils prekär: zu große Gruppen, Personalmangel und zusätzliche Herausforderungen wie mangelnde Deutschkenntnisse, fehlender Respekt oder besondere Bedürfnisse mancher Kinder erschweren den Alltag des Personals. Bildungs-Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) will nun mit der groß angelegten Reform "Kindergarten neu denken" einen Erneuerungsprozess einleiten – "Heute" berichtete.
Der Fokus liegt dabei auf der Verschärfung der Förderkontrollen, der Reduzierung des bürokratischen Aufwands für das Personal sowie der Schaffung einer neuen Verwaltungsstruktur.
FPÖ, ÖVP und Grüne reagierten auf die Reformpläne mit scharfer Kritik. "Wieder viele Worte, viele Überschriften und viele Versprechen, aber wieder keine einzige echte Maßnahme dort, wo sie dringend nötig wäre. Die rot-pinke Stadtregierung bleibt auch unter Emmerling echte Lösungen schuldig", bemängelt FPÖ-Wien-Klubobmann und Bildungssprecher Maximilian Krauss.
Besonders unverständlich sei angesichts der dramatischen Zahlen außerordentlicher Schüler in den Volksschulen, dass weiterhin jede verpflichtende Sprachstandsfeststellung ab dem dritten Lebensjahr fehle: "Seit Jahren warnen wir davor, dass Kinder in Wien in den Kindergarten kommen und ihn wieder verlassen, ohne ausreichend Deutsch zu können. Das ist kein Randproblem, sondern eine bildungspolitische Katastrophe und Emmerling tut so, als würde man das mit Workshops und Umfragen lösen können", so Krauss.
Bildungschaos, Fördermissbrauch und ein völliges Kontrollversagen ortet die Wiener ÖVP: "Wenn eine Stadträtin nach fünf Jahren Neos-Verantwortung plötzlich den Startschuss für Reformen verkündet, dann ist das kein Aufbruch – sondern ein spätes Eingeständnis des eigenen Scheiterns", erklärt der Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei, Markus Figl.
Besonders im Bereich der Elementarbildung sei die Bilanz der Neos verheerend. Erstmals verstehe mittlerweile mehr als die Hälfte der Wiener Schulanfänger kein Deutsch, in manchen Bezirken sogar über 75 Prozent. "Diese Zahlen sind kein Naturereignis, sondern das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit und falscher Prioritäten", so der Klubobmann der Wiener Volkspartei, Harald Zierfuß.
Von einem "blutleeren Marketingslogan" ("Kindergarten neu denken") sprechen die Grünen. "Mit einer weiteren Rede ist keinem Kind, keiner Pädagogin und keinem Elternteil geholfen. Die traurige Bilanz nach über fünf Jahren pinker Bildungspolitik ist, dass die Kinder in Wien nicht bessere, sondern schlechtere Bildungschancen haben", meint Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen Wien.
"Die Gruppengrößen in den Kindergärten sind noch immer nicht kleiner, der Personalmangel groß wie nie, die Deutschförderkräfte sind noch immer nicht ausreichend ausgebaut. Das Ergebnis dieser mutlosen Neos-Politik sind geraubte Bildungschancen für tausende Wiener Kinder", so die Bildungssprecher der Grünen Wien, Julia Malle und Felix Stadler. Gleichzeitig würden auch noch immer hunderte Kinder mit Behinderung auf einen Kindergartenplatz warten.