Die Lage in den Wiener Kindergärten ist teils prekär: zu große Gruppen, Personalmangel und zusätzliche Herausforderungen wie mangelnde Deutschkenntnisse, fehlender Respekt (von Kindern und Eltern) oder besondere Bedürfnisse mancher Kinder erschweren den Alltag von Elementar-Pädagoginnen, -Assistentinnen und Leitungen.
Bildungs-Stadträtin Bettina Emmerling will nun mit der groß angelegten Reform "Kindergarten neu denken" einen Erneuerungsprozess einleiten: "Wir wollen die Art und Weise, wie pädagogische Einrichtungen in Wien funktionieren sollen, grundlegend verändern. Dem Kindergarten und den Pädagoginnen soll der Stellenwert gegeben werden, den sie verdienen – wir wollen allen Kindern die besten Chancen ermöglichen", erklärte sie bei der Präsentation im Education Lab.
Mittels 3-Punkte-Plan will Emmerling die Reform starten. Nach dem verheerenden Stadtrechnungshofbericht zu den Förderkontrollen in privaten Kindergärten – "Heute" berichtete – soll das Fördersystem modernisiert werden. Zum Einsatz soll auch verstärkt Künstliche Intelligenz (KI) kommen.
"Wir haben bereits seit 2023 neue Standards in der Förderkontrolle. Die Kontrollen werden verschärft, es wird auch KI-gestützte Prüfungen geben, damit Auffälligkeiten früher erkannt werden. Werden Missstände aufgedeckt, gibt es in Zukunft keine Zusammenarbeit mit dem Trägerverein", stellt die Bildungs-Stadträtin klar.
Ein zweiter Punkt betrifft den hohen bürokratischen Aufwand des Kindergartenpersonals: Das pädagogische Personal soll von administrativen Aufgaben freigespielt, der Kindergarten für neue Berufsgruppen geöffnet werden. Geplant ist die Einführung einer Konzeptionswoche zur Vorbereitung auf das Jahr und zur Stärkung des Teambuildings. Im März startet zudem eine umfassende Umfrage unter dem Kindergartenpersonal, um die Rahmenbedingungen gezielt zu verbessern.
Als dritten großen Schritt will Emmerling die Verwaltungsstruktur erneuern und effizienter gestalten: "Wir wollen neue Schnittstellen, neue Datensysteme, einen besseren Datentransfer und eine bessere Kommunikation mit unseren Partnern", so die Bildungs-Stadträtin. Der Prozess soll professionell (von Beraterfirmen) begleitet werden, eine Ausschreibung folgt.
Generell will Emmerling auch die Eltern – besonders in Sachen Deutschkenntnisse – mehr in die Pflicht nehmen: "Das Bildungssystem stößt an seine Grenzen, wenn Bildung zu Hause aufhört. Wir wollen die Elternarbeit mehr in den Fokus rücken." Demnach werden heuer etwa die Plätze für Deutsch-Kurse für angehende Erstklässler verdreifacht. Auch bei den Inklusionsplätzen "sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen."
Dass ein Veränderungsprozess Zeit brauche, sei offensichtlich: "Große Reformen anzustoßen, wird nicht einfach, das ist mir klar. Aber es geht um das, was wirklich zählt – unsere Kinder und unsere Zukunft", so Emmerling abschließend.