Wienwert-Prozess

1.800 Geschädigte – Wiener Polit-Promis auf Anklagebank

Der Großprozess rund um den Betrugsfall Wienwert ist gestartet. Unter den Angeklagten: Karl Mahrer (ÖVP), Ernst Nevrivy (SPÖ) und Ex-Topmanager.
Wien Heute
19.01.2026, 12:48
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Dichtes Gedränge herrschte Montagfrüh im Saal 401 des Wiener Straflandesgerichts. Der Auftakt zum Wienwert-Prozess sorgte für großes Medieninteresse – und für einen rappelvollen Gerichtssaal. Neben elf Angeklagten und drei angeklagten Verbänden nahmen auch zahlreiche Privatbeteiligte Platz.

Wertlose Anleihen um 41 Millionen Euro

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft den Beschuldigten schweren gewerbsmäßigen Betrug, Untreue, Krida und Korruption vor. Im Zentrum steht die 2018 pleitegegangene Immobilienfirma Wienwert. Laut Anklage sollen über wertlose Anleihen rund 41 Millionen Euro Schaden verursacht worden sein.

Polit-Promis als Beitragstäter vor Gericht

Auch politische Prominenz ist involviert: Der ehemalige Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer und SPÖ-Donaustadt-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy stehen als Beitragstäter vor Gericht. Mahrers Frau soll mit ihrer PR-Agentur 84.000 Euro kassiert haben – ohne erkennbare Gegenleistung. Mahrer selbst habe laut Anklage dabei geholfen, politische Kontakte "gegebenenfalls auszunutzen".

Nevrivy soll Wienwert Insiderinfos über ein städtisches Grundstück verraten haben, das später gewinnbringend an die Wiener Linien verkauft wurde. Die Stadt habe dadurch rund 850.000 Euro verloren. Als Dankeschön habe es VIP-Tickets und Fördergeld für eine Musikgruppe gegeben.

Vorwurf: 1.800 Anleger getäuscht

Ex-Firmenchef Stefan Gruze und zwei Vorgänger sollen 1.800 Anleger mit falschen Versprechen in die Irre geführt haben. Die Firma sei als solide dargestellt worden, obwohl sie längst zahlungsunfähig war.

Mit "wertlosen Wienwert-Anleihen" gab es laut der Staatsanwältin Vermögensverschiebungen zur "persönlichen Bereicherung" der drei Hauptangeklagten und ihren Helfern: "Gläubiger wurden durch fingierte Verträge, Bilanzfälschungen und Korruption bestohlen. Es war kein Versehen, keine Nachlässigkeit, sondern ein systematisches Vorgehen und das Gegenteil einer seriösen Geschäftstätigkeit." Überdies habe es beim 20-Millionen-Euro-Verkauf der Immobilie am Getreidemarkt 10 "kriminelle Vorgänge gegeben", so die Staatsanwältin.

Der Prozess ist auf mindestens vier Verhandlungstage angesetzt – weitere könnten folgen. Über 80 Zeugen sollen geladen werden.

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