Der Ton zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer wird immer rauer. Alles begann mit den Aussagen von vida-Chef Roman Hebenstreit, der von "organisierter Kriminalität" in der Gastronomie sprach. Daraufhin wurden die KV-Verhandlungen noch vor dem offiziellen Start auf Eis gelegt – "Heute" berichtete.
Mitten in der Debatte um einen Fachkräftemangel ist die Diskussion um Lehrlingsstellen neu entfacht. Die Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) wirft der Wirtschaftskammer vor, mit "unseriösen Methoden" den Rückgang bei Lehrlingen und Ausbildungsbetrieben ins Gegenteil zu verkehren. In einer Pressemitteilung würde die WKO AMS-Zahlen irreführend darstellen, sodass aus einer Lehrstellenlücke ein Lehrstellenübergang entstehe.
"Angesichts der sehr angespannten Situation am Lehrstellenmarkt wäre mehr Sachlichkeit und Lösungsorientierung angebracht. Mit Zahlentricks werden wir die notwendigen Facharbeitskräfte der Zukunft jedenfalls nicht bekommen“, kritisiert PRO-GE-Vorsitzender Reinhold Binder.
Konkret unterscheidet das AMS zwischen "sofort verfügbaren" und "nicht sofort verfügbaren" Lehrstellen bzw. Lehrstellensuchenden. Aus gutem Grund, da es sich bei der Kategorie "nicht sofort verfügbaren" um Stellen oder Suchende handelt, die zum Beispiel erst im Sommer oder Herbst zur Verfügung stehen. Laut dem AMS stieg Ende Jänner demnach die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden im Jahresvergleich um 796, während die gemeldeten offenen Lehrstellen um 1.039 zurückgingen. Die Lehrstellenlücke weitete sich damit im Jänner 2026 auf rund 3.500 Stellen aus.
Die WKO zählt aber die "sofort verfügbaren" und "nicht sofort verfügbaren" Lehrstellen bzw. Lehrstellensuchenden einfach zusammen und verzerrt damit absichtlich die Situation am Lehrstellenmarkt. Aus einer faktischen Lücke wird so ein Überhang von mehr als 4.000 Lehrstellen errechnet, so der Vorwurf.
"Die sinkende Anzahl an Ausbildungsbetrieben und der Rückgang an Lehrlingen wird die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe massiv schwächen. Darüber kann man sich auch nicht hinwegmogeln. Die Lehrstellenlücke wegzurechnen, löst das Problem nicht! Es braucht richtige Reformen, damit die duale Lehrausbildung wieder attraktiver wird", betont Binder und verweist erneut auf den PRO-GE-Vorschlag, dass Ausbildungsbetriebe künftig durch einen Ausbildungsfonds unterstützt werden. Der Fonds solle von jenen Betrieben gespeist werden, die sich nicht an der Lehrlingsausbildung beteiligen, obwohl sie es könnten.