Rauer Wind vor KV-Verhandlung

"8,70 € für Cappuccino" – Gastro-Streit eskaliert

Noch vor Beginn der KV-Verhandlungen in der Gastro- und Hotelleriebranche wurden die Gespräche auf Eis gelegt. Die Gewerkschaft übt heftige Kritik.
Nicolas Kubrak
07.02.2026, 12:05
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Eigentlich hätten die Kollektivvertragsverhandlungen in der Gastronomie und Hotellerie am Donnerstag starten sollen – doch es kam alles anders. Auslöser war eine scharfe Attacke vom Chef der Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit.

"Organisierte Kriminalität" in Gastro

Der vida-Vorsitzende kritisierte die "Negativ-Rekorde" im Tourismus und der Gastronomie. "Was uns hier als Erfolg verkauft wird, ist in Wahrheit ein System, das von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation geprägt ist", so Hebenstreit. Hinter den "Jubelmeldungen" würde sich eine Branche verbergen, "die Rekordgewinne privatisiert, aber ihre Risiken zu 100 Prozent sozialisiert".

Der Gewerkschafter prangerte die "beispiellose Subventionskultur" der Branche an– z.B. in der Corona-Zeit. "Es ist ein Skandal der Sonderklasse, dass Konzerne und Hotelketten riesige Beträge durch geschicktes Standort-Splitting kassierten, während sie gleichzeitig Dividenden ausschütteten und Personal abbauten", kritisierte er. Außerdem ortete Hebenstreit "organisierte Kriminalität" in der Gastronomie.

vida-Boss Roman Hebenstreit: "Was uns hier als Erfolg verkauft wird, ist in Wahrheit ein System, das von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation geprägt ist."
APA-Images / APA / MAX SLOVENCIK

Gespräche ausgesetzt

Der heftige Angriff des Gewerkschafters hatte Folgen: Die Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer (WKO) setzten die KV-Verhandlungen aus. Hebenstreit habe mit seiner "vor populistischen Anwürfen nur so strotzenden Aussendung" eine rote Linie überschritten, betonten die Obleute Georg Imlauer und Alois Rainer in einem Offenen Brief. Der vida-Chef müsse zu einer "sachlichen Verhandlungskultur zurückkehren", seine "Entgleisungen korrigieren und sich dafür entschuldigen".

Die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie fordern eine Entschuldigung von Hebenstreit.
APA-Images / APA / JAKOB LANGWIESER

Hebenstreit in ZIB2: "Sehe keine Schuld"

Am Freitagabend war Hebenstreit zu Gast in der ZIB2 und bezog Stellung zum Streit. Eine Entschuldigung – wie von den Fachverbänden gefordert – gab es nicht. "Die Branche leidet nicht am Aufzeigen der Missstände. Ich sehe keine Schuld beim Überbringer der Botschaft", stellte er klar. Die Branche habe sich selbst in eine Schieflage gebracht: "Wir haben leider im Tourismus immer wieder das Problem, dass wir immer wieder mit solchen Fällen zu tun haben", so der Gewerkschafter.

"8,70 € für Cappuccino"

Ein Abschluss unter der Inflation könne er sich "keinesfalls" vorstellen, KV-Verhandlungen seien "kein Gnadenerweis des Gutsherrn", so Hebenstreit. "Eine Branche, die 8,70 € für einen Cappuccino verlangt, gleichzeitig Lohnverhandlungen verweigert und dann parallel dazu dauernd nach Billigarbeitskräften durch größere Ausweitung von Saisonkontingenten schreit, die sollte langsam beginnen, darüber nachzudenken, wie man auf vernünftige Art und Weise den redlichen Unternehmen das Gefühl gibt, dass sie auf der richtigen Seite stehen."

Der vida-Chef schlug neben einem Gütesiegel für redliche Betriebe eine manipulationssichere Software für die Arbeitszeitaufzeichnung vor.

{title && {title} } nico, {title && {title} } Akt. 07.02.2026, 12:11, 07.02.2026, 12:05
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