Rote Talfahrt

500.000 Wähler einfach weg! SPÖ ist im freien Fall

Rote Krise: Von 30 auf 17 Prozent! Die SPÖ verliert über 500.000 Wähler – und viele davon wechseln direkt zur FPÖ. So stark blutet die SPÖ aus.
Newsdesk Heute
12.02.2026, 16:42
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Noch Mitte 2022 lag die SPÖ in den Umfragen komfortabel an der Spitze. Mit Werten zwischen 28 und 30 Prozent führte sie laut APA-Wahltrend das Feld an – obwohl sie nicht in der Bundesregierung vertreten war. Heute ist davon wenig übrig. In aktuellen Sonntagsfragen pendeln die Sozialdemokraten nur noch zwischen 17 und 18 Prozent. Innerhalb weniger Jahre ist damit rund ein Drittel der damaligen Anhängerschaft weggebrochen.

Hochgerechnet entspricht das mehr als 500.000 potenziellen Wählerstimmen, die der Partei abhandengekommen sind. Besonders bitter: Nennenswerte Zugewinne aus anderen Lagern blieben aus. Die SPÖ verliert – und kann den Aderlass nicht kompensieren.

Abwanderung nach links und rechts

Eine aktuelle Längsschnittanalyse des renommierten Meinungsforschungsinstituts OGM zeigt nun, wohin die einstigen SPÖ-Wähler abgewandert sind. Grundlage ist ein umfangreicher Befragtenpool mit rund 55.000 Wahlberechtigten, aus dem 4.188 Personen herausgefiltert wurden, die im ersten Halbjahr 2022 mehrfach die SPÖ als ihre bevorzugte Partei nannten und seither regelmäßig zur Sonntagsfrage befragt wurden.

Von jenen 1.529 Personen, die sich in diesem Zeitraum von der SPÖ abgewendet haben, tendiert aktuell rund ein Drittel zu den Grünen. Knapp zehn Prozent – vor allem jüngere Wähler – schlagen sich zur KPÖ. Besonders brisant: Fast ein Viertel der Verluste ging direkt an die FPÖ. Hochgerechnet bedeutet das rund 120.000 Stimmen, die von den Sozialdemokraten zu den Freiheitlichen gewandert sind.

Historischer Wählerstrom zur FPÖ

Dass in diesem Ausmaß SPÖ-Wähler unmittelbar zur FPÖ wechseln, gilt als bemerkenswert. In früheren Wahlstromanalysen war ein derart starker direkter Austausch zwischen den beiden Parteien kaum festzustellen. Der Trend unterstreicht, wie stark die Verunsicherung im roten Lager sein muss.

Neben den Abgängen zu Grünen und KPÖ – oft aus dem urbanen und jüngeren Milieu – wechselten viele Berufstätige zur FPÖ. Die Sozialdemokratie verliert damit sowohl am linken als auch am rechten Rand ihres einst breiten Spektrums.

Drei Lager, eine Partei?

OGM-Analyst Johannes Klotz spricht von alarmierenden Entwicklungen, weil Wähler gleichzeitig in alle Richtungen davonlaufen würden: "Starke Verluste in unterschiedliche Richtungen sind alarmierend. Ein Wechsel an der Spitze würde zwar wahrscheinlich eine Erholung, aber nicht den großen Aufschwung bringen. Eine Trendwende braucht ein breit ansprechendes Programm mit einem von den meisten akzeptierten Kopf und mehr Geschlossenheit in der Partei."

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer zeichnet ebenfalls ein Bild einer gespaltenen Partei. In seinen Augen existieren derzeit mehrere Strömungen nebeneinander. "Ich werde oft in Interviews zu Chancen der SPÖ mit neuen Köpfen befragt. Meine Gegenfrage lautet meist: welche SPÖ meinen Sie? Für mich gibt es ja drei SPÖs: die linke mit Andreas Babler als Kopf. Und jene rechts der Mitte mit LH Doskozil als Kopf, der diese Position mit einigen traditionellen linken Themen garniert. Dann auch noch die pragmatische Mitte mit Michael Ludwig, Doris Bures und ÖGB-Chef Katzian. Wer kann diese Lager vereinen?"

Kampf um die rote Zukunft

Für die SPÖ steht damit mehr auf dem Spiel als bloße Prozentpunkte. Der massive Wählerverlust innerhalb weniger Jahre zeigt, wie tief die Partei in einer strategischen und personellen Findungsphase steckt. Während ein Teil der ehemaligen Anhänger klar linke Alternativen sucht, wandern andere ins freiheitliche Lager ab – ein Spagat, der die Sozialdemokratie vor eine Zerreißprobe stellt.

Ob es gelingt, die verlorenen 500.000 Stimmen zumindest teilweise zurückzuholen, dürfte davon abhängen, ob es der SPÖ gelingt, ihre internen Flügelkämpfe zu befrieden und ein klares Profil zu entwickeln. Andernfalls droht der einstigen Umfrage-Nummer-eins eine dauerhafte Rolle im politischen Mittelfeld – oder noch weiter darunter.

{title && {title} } red, {title && {title} } 12.02.2026, 16:42
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