Vor genau einem Jahr nahmen die Regierungsverhandlungen in Österreich eine überraschende Wende. Nachdem bereits der erste Anlauf einer Ampel-Koalition gescheitert war, schien eine blau-schwarze Allianz nur noch Formsache. Die Gespräche liefen 37 Tage lang, bevor der nächste Paukenschlag folgte: FPÖ-Chef Herbert Kickl legte am 12. Februar 2025 den Regierungsbildungsauftrag zurück. Ein Schritt, der die politischen Karten völlig neu mischte.
Ein Jahr später war es für den Freiheitlichen Zeit, die Geschehnisse der letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen und über die Folgen zu sprechen. In einem Interview mit seinem Pressesprecher und "Austria-First"-Moderator, Volker Höferl, erklärte Kickl, warum eine Zusammenarbeit mit der ÖVP aus seiner Sicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen sei.
Der 12. Februar 2025 sei ein Tag gewesen, "der mehr verändert hat, als viele gedacht haben", leitete Kickl das Gespräch ein.
Ein Jahr nach dem Abbruch der Regierungsverhandlungen sprach Herbert Kickl von einer "Entscheidung für das Volk". Rückblickend sei der Wählerauftrag eindeutig gewesen: Die Menschen hätten eine klare Veränderung unter freiheitlicher Führung gewollt – einen völlig anderen Kurs in der Asylpolitik, im Umgang mit der EU sowie in Fragen der Neutralität und Sicherheitspolitik. Für diesen "Systemwechsel" habe man verhandelt, betonte der FPÖ-Chef.
Doch je länger die Gespräche gedauert hätten, desto deutlicher sei ihm geworden, dass die ÖVP kein echtes Interesse an einem Kurswechsel gehabt habe. Problemfelder hätten aus seiner Sicht nicht einmal benannt werden dürfen, teils sei suggeriert worden, es gebe überhaupt keine grundlegenden Missstände. "Das funktioniert nicht", so Kickl. Man habe offenbar geglaubt, ihm die "Kanzlerkarotte" herhalten zu müssen – "aber so etwas ist mit mir nicht zu machen", sagte der FP-Chef.
Auch mit der aktuellen Bundesregierung ging Kickl erwartungsgemäß hart ins Gericht. Die Lage Österreichs sei vergleichbar mit einem "Flächenbrand" – bei Mieten, Energiepreisen, Arbeitslosigkeit, einer Pleitewelle und im Gesundheitsbereich. Jedes Mal, wenn ein Regierungsmitglied behaupte, man habe die Lage unter Kontrolle, würden an anderer Stelle neue "Glutnester" aufflammen.
Die Regierung agiere nicht als Team, es gebe weder einen klaren Plan noch eine erkennbare Strategie, stattdessen sei man vor allem mit sich selbst beschäftigt. Das führe dazu, dass die Koalition am Ende mit leeren Händen dastehe. "Hätten die Verantwortlichen einen Funken politischer Verantwortung, müssten sie zurücktreten. Das wird nix mehr", sagte Kickl.
An seiner damaligen Entscheidung ließ er keinen Zweifel. Sie sei "goldrichtig" gewesen, davon sei er bis heute überzeugt – und er würde sie jederzeit wieder so treffen. Durch "faule Kompromisse" lasse sich die Lage der Bevölkerung nicht verbessern. Die FPÖ verkörpere als einzige Partei den versprochenen Systemwechsel und gehe daher mit einer guten Ausgangsposition in die nächste Nationalratswahl – die aus seiner Sicht zugunsten der Freiheitlichen ausgehen werde.
Mit Blick in die Zukunft zog Kickl aus den gescheiterten Verhandlungen vor allem einen Schluss: Es brauche klare politische Machtverhältnisse – und damit eine deutlich stärkere FPÖ. Über aktuelle Umfragen zeigte er sich erfreut, das Wachstumspotenzial der Freiheitlichen sei weiterhin vorhanden. Nun gehe es darum, dieses Potenzial auch voll auszuschöpfen.
Inhaltlich sehe er seine Partei am "Nerv der Bevölkerung". Mit dem Angebot eines Endes des "Klimakommunismus" und einer klaren Absage an neue Schulden spreche man vielen Menschen aus der Seele. Viele könnten sagen: "Ja, genauso würden wir es auch machen." Mit entsprechenden Machtverhältnissen, so Kickl, könne die FPÖ einen echten Schulterschluss mit der Bevölkerung erreichen.