Künstliche Befruchtung

Kickl tobt: "Nächster Skandal der Sonderklasse"

Dass auch Asylberechtigte Anspruch auf Kostenübernahme bei künstlichen Befruchtungen haben, macht die FPÖ sauer – sie war aber am Gesetz beteiligt.
Roman Palman
09.02.2026, 08:03
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die Freiheitlichen wollen neuen "Wahnsinn" der Regierung aufgedeckt haben. "Jetzt ist ein weiterer Skandal ans Licht gekommen. [...] Durch diese Maßnahme droht die weitere Zerstörung des österreichischen Gesundheits- und Sozialsystems", donnert Generalsekretär Michael Schnedlitz. Die FPÖ ist jedoch mitverantwortlich.

Darum geht es

Seit dem 1. Jänner 2000 gibt es in Österreich einen Fonds zur Finanzierung der In‐vitro‐Fertilisation (IVF). Der Bund übernimmt dabei 70 Prozent der Behandlungskosten (lt. Tarifblatt ca. 3.200–3.900 Euro netto) von höchstens vier Versuchen.

Im Jahr 2024 wurden 12.623 IVF-Versuche an 7.531 Paaren durchgeführt, bei knapp einem Drittel (3.342) der Versuche kam es auch zur Schwangerschaft.

Die Anforderungen sind strikt:

  • Die Paare müssen in aufrechter Ehe, eingetragener Partnerschaft oder in eheähnlicher Lebensgemeinschaft leben.
  • Eine Sterilität muss vorliegen, nachgewiesen durch fachärztliche Diagnose.
  • Die austragende Frau muss jünger als 40 Jahre sein, ihr Partner jünger als 50.
  • Beide Partner müssen krankenversichert sein.
  • Ein Hauptwohnsitz in Österreich ist zwingend.
  • Alle anderen Möglichkeiten, schwanger zu werden, müssen ausgeschöpft sein.

Aber – und darüber tobt jetzt die Kickl-Partei – auch Nicht-Österreicher sind anspruchsberechtigt, solange sie die obigen Voraussetzungen erfüllen. Rot sehen lässt die Blauen jetzt folgende Zeile im entsprechenden Gesetzestext:

„Ein Anspruch auf Kostentragung [...] besteht für Asylberechtigte gemäß § 3 Asylgesetz 2005, die über ein dauerndes Einreise- und Aufenthaltsrecht verfügen.“
IVF-Fonds-Gesetz§ 4 Abs. 4a Z 7

Die müssten sie aber kennen, denn die aktuell rechtsgültige Fassung hat die FPÖ als Regierungspartei (mit)beschlossen.

Sturm im Reagenzglas

Im Juni 2018 fügte die türkis-blaue Bundesregierung von Sebastian Kurz der Zeile noch den Passus "... ,die über ein dauerndes Einreise- und Aufenthaltsrecht verfügen" hinzu. Die damalige Sozialministerin war Beate Hartinger-Klein von der FPÖ.

In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung erklärte sich Hartinger-Klein dezidiert für "unmittelbar zuständig" und hielt zur Finanzierung fest: "Die Mittel des IVF-Fonds stammen ausschließlich vom Familienlastenausgleichsfonds [50%, Anm.] und den Krankenversicherungsträgern."

Herbert Kickl, bekanntlich damals Innenminister und jetziger Parteichef, poltert dennoch auf Facebook über eine angeblich neue und schockierende Entwicklung: "Jetzt wird sogar schon die künstliche Befruchtung für Asylanten bezahlt". Das sei "Migration aus dem Reagenzglas", zitiert er seinen Parteigeneral Schnedlitz.

Herbert Kickl spricht vom "nächste Skandal der Sonderklasse", der keiner ist.
Screenshot Facebook

"Wahnsinn"

Letzterer ging bereits selbst mit Presseaussendungen und Medienauftritten brachial in die Offensive: "Durch diese Maßnahme droht die weitere Zerstörung des österreichischen Gesundheits- und Sozialsystems. Und diese Regierung geht sogar so weit, diese Leistung auch noch mittels Flyer zu bewerben – natürlich auch auf Steuerkosten." Das sei ein "Wahnsinn", "absurd" und "kann nicht sein".

Auch diesen Flyer mit dem Titel "Wir möchten ein Baby" gibt es bereits seit Jahrzehnten. Hartinger-Klein ließ in ihrer nur kurzen Amtszeit sogar 1.000 Stück in der Hausdruckerei anfertigen – natürlich auf Steuerkosten. Das ist ebenfalls in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung festgehalten.

{title && {title} } rcp, {title && {title} } Akt. 09.02.2026, 12:29, 09.02.2026, 08:03
Jetzt E-Paper lesen