Mitarbeiter stürzte in Tiefe

"Beine waren taub" – Chef vertuschte Arbeitsunfall

Ein Arbeiter soll schwer vom Dach gestürzt sein und Wirbelbrüche erlitten haben. Seinem Grazer Chef wird vorgeworfen, den Unfall vertuscht zu haben
Österreich Heute
04.02.2026, 13:43
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Ein routinemäßiger Arbeitseinsatz endete für einen Mann aus Graz beinahe im Rollstuhl – und für seinen Chef nun vor Gericht. Nach einem schweren Arbeitsunfall mit Wirbelbrüchen wurde ein Unternehmer am Grazer Straflandesgericht schuldig gesprochen.

Beine wie gelähmt

Der Arbeiter war auf einem Dach im Einsatz, als er durch spröde Kunststoff-Platten brach und mehrere Meter in die Tiefe stürzte. Die Folgen: massive Verletzungen an der Wirbelsäule.
"Ich lag am verstaubten Boden, habe meine Beine nicht mehr gespürt", schilderte er den Moment nach dem Absturz in der "Kleinen Zeitung". "Sie waren taub. Erst beim dritten Mal habe ich es geschafft, aufzustehen."

Statt sofort Hilfe zu holen, wurde der verletzte Mann von den Brüdern des Firmenchefs zu diesem gebracht. Doch die erhoffte Unterstützung blieb aus. "Ich dachte, dass jemand die Rettung ruft, aber das musste ich selbst machen", sagte der Arbeiter vor Gericht.

Chef wollte Unfall vertuschen

Brisant: Als schließlich Polizei und Rettung eintrafen, soll der Chef versucht haben, den Unfall zu vertuschen. "Mein Chef sagte, dass ich erklären soll, beim Baumschneiden von einer Leiter gestürzt zu sein."

Laut Anklage fehlten grundlegende Sicherheitsmaßnahmen. Der Mann soll ohne Sicherheitsschuhe und ohne Gurt am Dach gearbeitet haben. Zudem sei er besonders schutzbedürftig, da er seit Geburt taub ist. Neben fahrlässiger Körperverletzung wurde dem Unternehmer auch falsche Beweisaussage als Bestimmungstäter vorgeworfen.

Der Angeklagte wies alle Vorwürfe zurück. Er habe klare Anweisungen gegeben und diese mehrfach wiederholt: "Laut und deutlich habe ich ihm zwei- oder dreimal gesagt, dass er nicht aufs andere steile Dach gehen darf." Er betonte, die Kommunikation habe funktioniert, der Arbeiter habe sich nicht an die Vorgaben gehalten.

Loch im Dach abgedeckt – Rettung nicht gerufen

Für Richterin Julia Noack war vor allem das Verhalten nach dem Unfall nicht nachvollziehbar. Während sich der Chef laut eigener Aussage mit Eisbeuteln um den Verletzten kümmerte, wurde das entstandene Loch im Dach rasch notdürftig verschlossen.

"Sie kümmern sich mit Eisbeuteln um den Abgestürzten, der Wirbelbrüche hat. Ihre zwei Brüder decken das entstandene Loch wieder zu. Aber niemand ruft die Rettung", wundert sie sich die Richterin laut der "Kleinen Zeitung".

Auch dass der Unternehmer den Unfallhergang nicht näher hinterfragt haben will, bezeichnete die Richterin als "lebensfremd".

Bedingte Haft und Geldstrafe

Am Ende sprach das Gericht einen Schuldspruch aus. Die Vorsitzende hielt fest:
"Den Unfall wollten Sie nicht, das ist klar. Aber der Teufel schläft nicht: Es passieren Unfälle – aber es gibt Mittel, sie zu verhindern. Sie hätten den Mann besser unterweisen sollen."

Der Unternehmer erhielt vier Monate bedingte Haft, eine unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 85 Euro sowie 2000 Euro Schadenersatz für das Opfer.
"Es war alles darauf angelegt, dass der Arbeitsunfall vertuscht wird", so die Richterin.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Im Fall der Rechtskraft könnten auf den Unternehmer weitere finanzielle Forderungen zukommen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 04.02.2026, 13:43
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