Bezug auf Scharia

Taliban legalisieren Gewalt gegen Frauen und Kinder

Die Taliban haben ein neues Strafgesetz eingeführt, das Männern ausdrücklich erlaubt, ihre Ehefrauen und Kinder zu schlagen.
Nick Wolfinger
24.02.2026, 14:05
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Die Taliban haben in Afghanistan ein neues Strafgesetzbuch eingeführt, das international scharfe Kritik auslöst. Demnach dürfen Ehemänner ihre Frauen und auch Kinder körperlich bestrafen, solange es nicht zu Knochenbrüchen oder offenen Wunden kommt.

Menschenrechtsgruppen warnen, die Regelung entziehe Frauen weitgehend den Schutz des Rechtsstaats und legalisiere häusliche Gewalt. Nach Angaben aus dem Gesetz droht bei schweren Verletzungen zwar eine Strafe von bis zu 15 Tagen Haft – doch das Gesetz mache es den Opfern extrem schwer, vor Gericht Gerechtigkeit zu bekommen.

Angebliches Islamisches Recht

Die Führung in Kabul sagt, das Gesetz basiere vollständig auf ihrer Auslegung des islamischen Rechts. Man wolle eine "echte islamische Gesellschaft" schaffen und die Justiz von "westlichem Einfluss" befreien. Das frühere Rechtssystem der gestürzten Regierung bezeichnen sie als unislamisch.

Das sehen freilich nicht alle so – wenn auch Kritik im eigenen Land nicht mehr öffentlich geäußert werden kann. "Viele Taliban-Mitglieder können nicht einmal den Koran lesen. Einige Rechtsgutachten müssen an die Gegebenheiten der Zeit angepasst werden. Die Taliban verstehen weder den Geist der Religion noch den der Gesellschaft", erklärt der ehemalige Richter aus der Vor-Taliban-Zeit, Abdul Mumin Zia Badaksh gegenüber der "Deutschen Welle" (DW).

Andersdenkende sind Ketzer

Das Gesetz ziele auch auf die systematische Unterdrückung religiöser Minderheiten und Andersdenkender ab. Nur Angehörige der hanafitischen Rechtsschule gelten als vollwertige Muslime, während alle anderen als "Ketzer" oder "Ungläubige" eingestuft werden, so der ehemalige Richter. Die nach Abu Hanifa, der im 8. Jahrhundert lebte, benannte Rechtsschule ist die heute am weitesten verbreitete Rechtslehre im sunnitischen Islam.

Allerdings, so Kritiker, gelte die hanafitische Rechtslehre eigentlich als äußerst flexibel gegenüber gesellschaftlichen Umständen. Die Taliban würden eine sehr selektive und sehr enge Auslegung dieser Rechtsschule anwenden.

Kritiker sehen darin eine deutliche Entrechtung von Frauen, die nach der Machtübernahme der Taliban seit 2021 ohnehin massiv eingeschränkt werden.

Frauen ohne Rechte

Seither haben die Taliban Frauen Schritt für Schritt aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Mädchen dürfen nach der Volksschule keine weiterführenden Schulen mehr besuchen, Universitäten sind für Frauen geschlossen. In vielen Berufen gilt Arbeitsverbot, auch bei Hilfsorganisationen.

Frauen dürfen oft nur mit männlicher Begleitung reisen, strenge Kleidervorschriften schreiben die vollständige Verschleierung vor. Öffentliche Auftritte, politische Funktionen oder Mitsprache in der Regierung gibt es für Frauen nicht mehr. Internationale Beobachter sprechen deshalb von einer systematischen Entrechtung und warnen vor einer Art Geschlechterapartheid.

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