Die Staatsanwaltschaft in Sitten hat am Montag neue Aufnahmen präsentiert. Wie "20 Minuten" berichtet, liegen diese Bilder auch dem "Corriere della Sera" vor. Die Ermittler betonen, dass das Video erstmals eindeutig zeigt, wie das Unglück seinen Anfang nahm.
Auf dem Video (unten) sieht man eine Kellnerin mit schwarzem Kleid und Helm, die zwei Champagnerflaschen trägt. Auf beiden Flaschen sind sogenannte Partyfontänen bzw. Wunderkerzen angebracht.
Die junge Frau reitet auf den Schultern eines Kollegen mit Guy-Fawkes-Maske zu den Gästen, jubelt und hält die Funken sprühenden Flaschen bis knapp unter die Decke.
Dort kleben leicht entzündliche Schallschutzmatten aus Schaumstoff. Nur wenige Sekunden später steht das erste Element in Brand.
Das Feuer breitet sich in Windeseile aus. Die Tragödie forderte 41 Todesopfer. 115 Menschen wurden verletzt.
Laut französischen Medien handelt es sich bei der Kellnerin um eine 24-jährige Französin. Auch sie starb. Sie hatte sich über eine Servicetür nach draußen retten wollen, doch die war überraschend verriegelt – die junge Frau hatte keine Chance.
"Natürlich wollte sie fliehen", sagt ihr Vater in einem emotionalen Interview mit "France 3". "Sie wollte auch Gästen zur Flucht verhelfen, aber leider war da diese Tür, die sich nicht öffnen lässt."
Die Eltern widersprechen auch der Aussage der Barbetreiberin Jessica Moretti, wonach ihre Tochter "wie eine kleine Schwester" für sie gewesen sei. Über ihren Anwalt lassen sie wissen, dass das Verhältnis zu den Betreibern rein beruflich gewesen sei. Eine besondere Nähe habe es nicht gegeben.
Die Familie berichtet, dass sich ihre Tochter von den Arbeitgebern ausgenutzt gefühlt habe. Kurz vor ihrem Tod habe sie von starker körperlicher und seelischer Erschöpfung erzählt und fehlendes Mitgefühl beklagt. Wegen der Arbeitsbedingungen sei bereits ein Arbeitsgericht eingeschaltet worden.