Katastrophe in Crans-Montana

Feuer-Opfer (32): "Seit jenem Tag lebe ich nicht mehr"

Mélanie wurde in der Silvesternacht beim Brand in Crans-Montana schwer verletzt. Jetzt schreibt die 32-jährige Mutter über ihr nun zerstörtes Leben.
Newsdesk Heute
09.02.2026, 23:00
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"Ich bin Mélanie, Opfer der Tragödie vom 1. Jänner in Crans-Montana. Ich bin eine Frau, über die manchmal gesprochen wird, ohne ihren Namen zu nennen. Die Frau, die über das Geländer sprang – nicht aus Mut, sondern weil in diesem Moment das Feuer stärker war als die Angst." Mit diesen Worten beginnt Mélanie ihren Facebook-Beitrag, der unter die Haut geht.

Die gebürtige Französin lebt im Schweizer Wallis und wird seit der Brandnacht im Spital behandelt. Wie "20 Minuten" berichtet, kämpft sie seither täglich ums Überleben.

"Seit diesem Tag lebe ich nicht mehr. Ich überlebe", schreibt die junge Frau weiter. Fast 40 Prozent ihrer Haut wurden bei dem Brand verbrannt. "Mein Körper ist zu einem Schlachtfeld geworden. Jeder Verbandswechsel alle zwei Tage ist eine Qual. Jede Behandlung entfacht den Schmerz aufs Neue. Der Schmerz verschwindet nie ganz. Er nistet sich ein. Er zehrt an mir. Er dringt in mich ein", schildert Mélanie.

„Mein Körper wird nie wieder derselbe sein wie zuvor. Mein Gesicht wird nie wieder seine früheren Züge annehmen.“
Mélanie Van de Velde

Die Nacht, die alles veränderte – und nie vergessen wird

Zuerst wurde Mélanie in Zürich medizinisch versorgt, danach kam sie nach Nantes in Frankreich, wo sie derzeit behandelt wird. "Weit weg von zu Hause. Weit weg von meinem Leben. Und vor allem weit weg von meiner Tochter, die ich nicht einmal in den Arm nehmen kann, wenn die Schmerzen unerträglich werden", schreibt sie. Ursprünglich stammt Mélanie aus Angers.

Mit ihrem langen Facebook-Beitrag möchte sie aufzeigen, wie sehr sich ihr Leben verändert hat: "Ich 'heile' nicht. Ich verändere mich gegen meinen Willen. Mein Körper wird nie wieder derselbe sein wie zuvor. Mein Gesicht wird nie wieder seine früheren Züge annehmen. Meine Haut wird die Erinnerung an jene Nacht ein Leben lang tragen. Und so wird es auch mit meinem Geist sein."

Die unsichtbaren Narben bleiben

Die 32-Jährige lag zeitweise im künstlichen Tiefschlaf und spart in ihrem Posting nicht mit Kritik: "Während ich mich schweren Operationen unterziehe und lernen muss, mit einem schwer verletzten Körper umzugehen, leben andere einfach normal weiter. Frei. Ohne Verbrennungen. Ohne Narben. Ohne quälende Nächte." Damit meint sie unter anderem das Ehepaar Moretti, die Betreiber der Bar Le Constellation, sowie weitere Personen, die möglicherweise für das Unglück mitverantwortlich sind.

"Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn das Opfer ein Leben lang sichtbare und unsichtbare Narben trägt und die Verantwortung unklar, unausgesprochen und verwässert bleibt? Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn wir über eine Tragödie sprechen, aber ihre menschlichen Folgen ignorieren? Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn von einer verbrannten Frau verlangt wird, ihr Leben neu aufzubauen, während die Welt sich weiterdreht, als wäre nichts geschehen?", fragt sie.

Mélanie Van de Velde gibt allen Opfern eine Stimme

"Ich schreibe nicht aus Rache. Ich schreibe, weil Schweigen eine zweite Wunde ist. Weil Vergessenwerden unerträglich ist, wenn man mit bleibenden Narben lebt", hält Mélanie fest. "Denn Überleben sollte niemals Schweigen bedeuten. Ich schreibe, damit die Menschen verstehen, dass hinter einer Nachricht verstümmelte Körper, zerstörte Identitäten, Mütter, die von ihren Kindern getrennt wurden, stehen. Ich schreibe, damit die Stimmen derer, die den höchsten Preis zahlen, endlich gehört werden. Ich bin Mélanie. Ich lebe."

Am Schluss betont sie: "Ich lebe jetzt in einem Körper und einem Gesicht, die nie wieder dieselben sein werden. Und solange diese Realität nicht vollständig anerkannt ist, wird mein Schmerz nicht nur medizinischer Natur sein. Er wird zutiefst menschlich bleiben."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 10.02.2026, 08:10, 09.02.2026, 23:00
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