Videos aus der Silvesternacht zeigen dramatische Szenen: Dutzende junge Leute rennen in Panik um ihr Leben, um dem Feuer in der Bar zu entkommen. Eine schmale Stiege führt vom unteren Bereich des Lokals nach oben ins Freie. Die Eingangstür öffnet sich nach innen, dann folgt ein Wintergarten, bevor man ins Freie gelangt. Zu sehen ist auch, wie Menschen von außen Scheiben einschlagen, um Eingeschlossene zu retten. Wie 20 Minuten berichtet, waren viele Partygäste in Todesangst gefangen.
Auch der 19-jährige Ferdinand Du Beaudiez feierte mit seinem Bruder und seiner Freundin in der Bar. Er überlebte, doch sein Bruder liegt im Koma. In einem Video, das derzeit in den sozialen Netzwerken die Runde macht, erhebt er schwere Anschuldigungen gegen das Lokal. "Ich gebe der Bar die ganze Schuld. Ich halte es für unfassbar, dass dieser Ort ohne Notausgänge gebaut wurde", sagt er.
Seit der Brandnacht steht die Frage nach Fluchtwegen und Notausgängen im Mittelpunkt. Laut einer Brandschutz-Infoplattform des Kantons Wallis muss ein Lokal mit über 100 Personen mindestens drei Ausgänge haben. Die längste Fluchtwegstrecke bis ins Freie darf 35 Meter nicht überschreiten. Ob das in der Bar Le Constellation so umgesetzt war, ist unklar und Teil der laufenden Ermittlungen.
Wallis' Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer erklärte am Freitag, dass es mindestens einen weiteren Ausgang gegeben habe. "Es gibt nicht nur eine einzige Tür, auch wenn es so aussieht, als seien die meisten Menschen zum Zeitpunkt des Brandes durch den Haupteingang hinausgelaufen", so Ganzer. Dichter Rauch habe den Menschen die Sicht genommen und sie bewegungsunfähig gemacht. "Man kann davon ausgehen, dass wahrscheinlich nur wenige Menschen diese Ausgänge gefunden haben."
Ob die Ausgänge schlecht beschildert, versperrt oder blockiert waren, dazu gibt es von den Behörden bisher keine Auskunft. Auch der Bürgermeister will aktuell nichts dazu sagen. Gegenüber 20 Minuten bestätigt er aber, dass alle Unterlagen, inklusive Baupläne, bei der Staatsanwaltschaft liegen.
Die Frage nach blockierten Fluchtwegen beschäftigt viele in Crans-Montana. Paolo Campolo (55) hat in der Brandnacht mehrere Menschen aus der Bar gerettet. Er zog Leute ins Freie und half den Ersthelfern. Laut 20 Minuten erzählt er von einer zweiten Tür, die jedoch blockiert oder verschlossen gewesen sei. "Ich weiß nicht, ob es ein Notausgang oder ein Serviceausgang war, aber hinter dieser Tür waren verzweifelte Menschen", sagt Campolo.
Auch ein Stammgast des Lokals Le Constellation berichtet gegenüber der "Bild" von einem Notausgang. "Aber wenn ich dort zu Gast war, war der immer versperrt", sagt er. Der Notausgang habe sich in einem eigenen Raucherraum befunden, der nochmals durch eine Tür vom restlichen Club abgetrennt gewesen sei. "Den hat kaum jemand genutzt, die meisten gingen hoch zum Wintergarten."
Der Raucherraum, auch "die heimliche Bar" genannt, sei zuletzt vor allem als Abstellkammer genutzt worden. Laut dem Stammgast wäre selbst jemand, der den Notausgang erreicht hätte, kaum hinausgekommen. Vor der Tür soll ein Sofa gestanden haben. Diese Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Nach Abschluss der ersten Ermittlungen unter Leitung der Staatsanwaltschaft Wallis wurde am Donnerstagabend ein Strafverfahren gegen die beiden Betreiber der Bar eröffnet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.