Nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht im Schweizer Skiort Crans-Montana ziehen die Behörden erste juristische Konsequenzen. Gegen die französischen Betreiber der Bar "Le Constellation", in der das Feuer ausgebrochen war, wurde ein Strafverfahren eingeleitet.
Wie Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis am Samstag mitteilten, hätten erste Ermittlungsergebnisse "zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Betreiber des Lokals geführt". Ihnen würden "fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst" vorgeworfen. Gleichzeitig betonte die Staatsanwaltschaft: "Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt".
Bei der Katastrophe kamen 40 Menschen ums Leben, 119 weitere wurden verletzt, viele davon schwer. Nach bisherigen Erkenntnissen geriet Schaumstoff an der Decke durch funkensprühende Partyfontänen in Brand. Das Feuer breitete sich binnen kürzester Zeit aus.
Bereits kurz nach dem Unglück hatten Brandschutzexperten Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen geäußert – unter anderem an der Zahl der Notausgänge und am verwendeten Deckenmaterial, das vermutlich zur Schalldämpfung diente.
Die Betreiber, ein französisches Ehepaar, zeigten sich gegenüber Medien erschüttert. Die Bar sei "dreimal innerhalb von zehn Jahren" kontrolliert worden, erklärte der Besitzer und Geschäftsführer. Er versicherte, dass "alles im Rahmen der Normen" erfolgt sei, und sagte Kooperation mit den Behörden zu. "Alles lief nach den Vorschriften", sagte er der "Tribune de Genève" und "24 heures".
Nach Angaben der Ermittler wurden die beiden als "Auskunftspersonen" und nicht als Beschuldigte einvernommen. Befragt wurden sie unter anderem zur Raumaufteilung, zu Umbauarbeiten und zur zulässigen Gästezahl. Der Mann hielt sich zum Zeitpunkt des Brandes nicht im Lokal auf, seine Frau, die anwesend war, wurde leicht verletzt.
Unterdessen meldete die Polizei die Identifizierung der ersten Todesopfer. Dabei handelt es sich um zwei Schweizerinnen im Alter von 21 und 16 Jahren sowie zwei Schweizer im Alter von 18 und 16 Jahren. Die Leichname wurden den Familien übergeben, weitere Identifizierungen laufen.