Verbrennungen dritten Grades

Kritischer Zustand: 100 Verletzte ringen um ihr Leben

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana kämpfen 100 Verletzte in kritischem Zustand ums Überleben. Die meisten sind zwischen 16 und 26 Jahre alt.
Lara Heisinger
02.01.2026, 12:09
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Die Lage nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana bleibt dramatisch: 80 bis 100 Verletzte befinden sich in kritischem Zustand. Die ohnehin schreckliche Bilanz von rund 40 Todesopfern könnte noch steigen, heißt es am Freitag vom Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer.

Besonders gefährdet seien Menschen mit schweren Brandverletzungen: Bei Verbrennungen dritten Grades auf rund 15 Prozent der Körperoberfläche steige das Risiko, in den Stunden und Tagen nach dem Unfall zu sterben.

Identifizierung könnte Tage dauern

Auch die Identifizierung der Opfer wird laut Behörden noch dauern. Der Regierungspräsident des Kantons Wallis, Mathias Reynard, erklärte gegenüber dem Schweizer Sender RTS, die Arbeiten liefen weiter – die Leichen seien so stark verbrannt, dass es Tage dauern könnte, bis alle Namen feststehen. Experten würden Zahn- und DNA-Proben nutzen. Man müsse sich "100-prozentig sicher" sein, bevor Familien informiert werden, betont Reynard.

In den Spitälern herrscht Ausnahmezustand. Er sprach von einer "äußerst angespannten Lage" – und schilderte, dass "einige Personen, die eigentlich frei gehabt hätten, zur Arbeit gekommen sind, um ihre Kollegen zu unterstützen". Zudem werde über medizinische Zusammenarbeit gesprochen, auch französische Spezialisten für schwere Brandverletzungen könnten in den Kanton Wallis kommen.

"Mehr als 60 Prozent Körperoberfläche verbrannt"

Wie schwer viele Verletzungen sind, zeigt ein Blick nach Lausanne: In der Universitätsklinik wurden laut Angaben etwa 13 erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte.

Raffoul erklärte, es handle sich um äußerst schwere Verletzungen, deren Behandlung lange dauern werde. Zusätzlich könnten Rauchgasvergiftungen, Quetschungen und Knochenbrüche durch Gedränge hinzukommen – auch sehr giftige Dämpfe durch brennenden Kunststoff seien möglich.

Handys werden ausgewertet

Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien in der Geschichte des Landes, die Flaggen am Parlament sollen für fünf Tage auf Halbmast hängen. Ausgebrochen war das Feuer in der Silvesternacht in der Bar "Le Constellation". Die Brandursache ist noch unklar, die Schweizer Behörden gehen aber von einem Unfall aus.

Hinweise aus Medien und sozialen Netzwerken deuten demnach darauf hin, dass Lärmschutzmaterial an der Decke im Keller Feuer gefangen haben könnte, als Feiernde mit auf Champagnerflaschen gesteckten Wunderkerzen hantierten. Handys, die am Unglücksort sichergestellt wurden, sollen ausgewertet werden.

"Flashover" kaum zu überleben

Die Kantonsregierung des Wallis sprach in einer Mitteilung von einem "Flashover" – einem Brandphänomen, bei dem sich ein Raum binnen Sekunden vollständig entzünden kann. Eine Brandschutzexpertin verglich das mit einer Art Feuerwalze. Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz sagte dem deutschen Rundfunk ARD, ohne Schutzkleidung sei das kaum zu überleben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. "Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat", so die Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud. Details, etwa wie viele Menschen in der Bar waren, ob Notausgänge funktionierten oder ob eine als zu eng beschriebene Treppe regelkonform war, wurden bisher ebenfalls nicht genannt.

Viele Verletzte sind Jugendliche und junge Erwachsene. "Es handelt sich um junge Patienten. Im Durchschnitt sind sie zwischen 16 und 26 Jahre alt", sagte die Direktorin des Universitätsspitals Lausanne dem Nachrichtenportal "24 Heures".

Offenbar keine Österreicher unter den Opfern

Hinweise auf Betroffene aus Österreich gibt es bisher nicht: Wie das Außenministerium am Freitagvormittag mitteilte, gebe es weiterhin keinerlei Informationen, dass Österreicher unter den Toten oder Verletzten sind. Österreich bot der Schweiz im Rahmen der Katastrophenhilfe über das Innenministerium die medizinische Betreuung von vorerst fünf schwer verletzten Personen an, weitere Kapazitäten würden geprüft.

Auch andere Länder suchen nach ihren Staatsbürgern: Italienische Behörden meldeten am Freitag sechs Vermisste aus Italien, 13 Italiener sollen in Spitälern sein – darunter eine 16-Jährige, die in Zürich im Koma liegt, sowie weitere Schwerverletzte, die in Mailand behandelt werden. Frankreich meldete acht vermisste französische Staatsbürger, Australien sprach von einem Australier unter den Verletzten.

{title && {title} } LH, {title && {title} } Akt. 02.01.2026, 12:13, 02.01.2026, 12:09
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