Gelbe Karten: Real trickst UEFA aus

Real Madrid feierte gestern einen fulminanten 4:0-Sieg in der Champions League über Ajax Amsterdam. Für Gesprächsstoff sorgten Sergio Ramos und Xabi Alonso, die sich beide absichtlich die zweite gelbe Karte holten, um im letzten - bedeutungslosen - Gruppenspiel gesperrt zu sein. Dafür gehen sie später unbelastet in die K.o.-Phase.

86. Minute in der Amsterdam-Arena: Es steht 4:0 für die Gäste aus Madrid, das Spiel ist gelaufen. Die Spanier bekommen einen Freistoß im Mittelfeld. Xabi Alonso läuft an, bricht ab und wiederholt die Prozedur ein paar Mal, bis es dem Schiedsrichter zu bunt wird und den Kicker wegen Spielverzögerung mit Gelb-Rot vom Platz stellt.

Nur drei Minuten später wiederholt sich das Schauspiel. Diesmal soll Sergio Ramos einen Abstoß ausführen, lässt sich dabei aber ebenfalls ewig Zeit. Der schottische Referee hat keine andere Wahl, als auch den Verteidiger mit der zweiten gelben Karte vorzeitig unter die Dusche zu schicken.

Der Hintergrund ist im Hinblick auf das Regelwerk der UEFA leicht zu durchschauen: Beide Spieler hatten vor ihrem Ausschluss bereits zwei gelbe Karten (inklusive der ersten im gestrigen Ajax-Spiel) in der Gruppenphase gesammelt. Wer es auf insgesamt drei Gelbe bringt, muss ein Spiel pausieren. Also holten sie sich durch ihr Zeitschinden die jeweils dritte gelbe Karte ab (in diesem Fall gleichbedeutend mit Gelb-Rot) - und sind somit für das bedeutungslose letzte Gruppenspiel gegen AJ Auxerre gesperrt.

Mourinho als Drahtzieher?
Da nach einer Sperre alle gelbe Karten erlöschen, gehen Alonso und Ramos ohne Vorbelastung in die K.o.-Phase der Champions League, für die Real bereits vorzeitig qualifiziert ist, und könnten sich wieder gefahrenlos zwei gelbe Karten in zwei Spielen holen. Trainer Jose Mourinho erklärte nach dem Spiel trocken: "Ich glaube nicht, dass es nötig war, sich diese roten Karten zu holen, da wir das Match unter Kontrolle hatten."

Doch die spanische Sportzeitung Marca will herausgefunden haben, dass Mourinho seinen Spielern befohlen hatte, sich die zweite Gelbe zu holen. Sie fand Bilder, die den Real-Coach beim Tuscheln hinter vorgehaltener Hand zeigten: Er besprach etwas mit Ersatz-Keeper Jerzy Dudek, der dann die Botschaft an Torwart Iker Casillas überbrachte. Dieser flüsterte dann Sergio Ramos die Anweisung ins Ohr.

Die Geschichte mit dem Wäschekorb
Nun teilen sich die Meinungen unter Fans und Journalisten: War die Aktion unsportlich, oder einfach nur gerissen? Jose Mourinho sorgte bereits zu Zeiten als Chelsea-Trainer mit zwei fragwürdigen Aktionen in der Champions League 2007 für Aufsehen, die ihm allerdings nie offiziell nachgewiesen werden konnten: Ihm wurde von der UEFA wegen kritischer Kommentare jeglicher Kontakt mit seinem Team im Heimspiel gegen Bayern München untersagt.

Angeblich versteckte er sich Stunden vor Anpfiff in der Umkleidekabine und gab per Funk Anweisungen an seinen Co-Trainer Rui Faria, der eine verdächtig dicke Mütze mit einer Beule am Ohr trug. Torwarttrainer Silvinho Louro besuchte während des Spiels mehrmals die Katakomben und kam mit Zetteln zurück, die er auf der Bank verteilte. Kurz vor Spielende will ein Zeuge gesehen haben, wie Mourinho in einem Wäschekorb auf Rädern aus dem Stadion geschmuggelt wurde.

Jörg Michner

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