Warnung der Ärzte

Gerichtsmedizin vor Kollaps – Verbrechen bald ungeklärt

Personalmangel und Überalterung bringen Österreichs Gerichtsmedizin an ihre Grenzen - Ermittlungen verzögern sich massiv.
Österreich Heute
27.03.2026, 14:23
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Die Lage ist alarmierend: Österreichs Gerichtsmedizin steht laut Ärztekammer massiv unter Druck. Personalmangel, fehlender Nachwuchs und finanzielle Engpässe könnten dazu führen, dass Verbrechen nicht mehr rechtzeitig aufgeklärt werden können.

"In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Gerichtsmedizin in Österreich Schritt für Schritt derart demontiert, dass inzwischen in vielen Fällen die zeitnahe Aufklärung von Gewaltdelikten und anderen Verbrechen stark verzögert oder sogar unmöglich wurde", warnt Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Die Institute und die Ausbildung seien über Jahre hinweg ausgehungert worden.

Wie dramatisch die Situation ist, zeigt auch ein Bericht des Rechnungshofs: In Wien dauert ein Obduktionsgutachten im Schnitt 152 Tage, in Graz 77 Tage. Teilweise liegt die gesamte Arbeit bei nur einer Person. Fällt diese aus, steht alles still.

Dabei wäre der Bedarf größer denn je. Gerade in Gewaltambulanzen steigen die Fallzahlen deutlich an. In Wien werden rund 1.000 Fälle pro Jahr betreut, in Graz werden heuer etwa 500 erwartet. Das erhöht den Druck zusätzlich.

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Auch der Blick auf die Zahlen zeigt das Problem: Österreichweit gibt es nur 37 Fachärzte für Gerichtsmedizin, das Durchschnittsalter liegt bei über 53 Jahren. Nachwuchs ist kaum vorhanden - unter 35 Jahren gibt es überhaupt nur einen einzigen Arzt. Gleichzeitig wird rund die Hälfte der aktuell tätigen Experten in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen.

An den vier Instituten in Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien arbeiteten Anfang 2024 überhaupt nur 18 Fachärzte. Die Ausbildung ist zudem ausschließlich an Universitäten möglich - doch genau dort fehlen Ressourcen und Plätze.

"Wir benötigen mehr Ausbildungsstellen", sagt Gerichtsmediziner Mario Darok. Die aktuellen Strukturen hätten die Situation sogar erschwert. Verbesserungen seien dringend notwendig, vor allem in enger Abstimmung mit den Bundesländern.

Ein Blick ins Ausland zeigt, wie es anders gehen könnte: In Italien werden deutlich mehr Nachwuchsmediziner ausgebildet - etwa in Bari oder Pavia, wo ganze "Facharzt-Schulen" bestehen.

Neben mehr Personal braucht es laut Experten auch eine bessere Anerkennung des Fachs innerhalb der Medizin. Denn die Gerichtsmedizin spielt eine zentrale Rolle für die Rechtssicherheit.

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