Die Frage schwirrt seit dem Wochenende durch Europa: Kann der Iran mit seinen Raketen auch Ziele in Mitteleuropa treffen? Nach dem Angriff auf den US-britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean, rund 4.000 Kilometer vom Iran entfernt, wächst die Sorge.
Oberst Matthias Wasinger vom österreichischen Bundesheer gibt eine klare Antwort: Ja, der Iran kann. Das Land verfüge technisch über die Fähigkeit, Ziele in Mitteleuropa zu erreichen. Doch der Experte betont zwei entscheidende Einschränkungen: die geringe Durchschlagskraft solcher Angriffe und die Frage nach dem politischen Willen des Regimes.
Laut n-tv.de erklärt Wasinger: "Bis dato gibt es keine Anzeichen, dass der Iran den politischen Willen hat, den Konflikt auf Europa auszudehnen." Ähnlich hatte das am Montag auch der britische Premier Keir Starmer formuliert: "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass wir in dieser Weise ein Ziel sind."
Der Oberst vermutet, dass der Iran den Angriff auf Diego Garcia nur durch zwei "technische Verrenkungen" durchführen konnte: eine reduzierte Waffenlast und eine zusätzliche Zündstufe. "Oder ich füge einen Dummy ein, damit wird die Rakete noch leichter", so Wasinger.
Das bedeutet: Eine Serienproduktion solcher Langstrecken-Angriffe sei nicht zu erwarten. "Wir reden dann hier nicht von einer Serienproduktion, bei der man damit rechnen müsste, dass der Iran mit Salven Richtung Europa schießen kann", erklärt der Experte.
Der Angriff auf Diego Garcia könnte mit dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei zusammenhängen. Dieser soll ein Fürsprecher einer Selbstbeschränkung auf 2.000 Kilometer Angriffsradius gewesen sein. Mit seinem Tod sei "in gewisser Weise die politische Zurückhaltung aufgebrochen", so Wasinger.
Dennoch habe der Iran ein klares Interesse daran, die Zahl der Kriegsparteien gering zu halten. Wasinger: "Je mehr Konfliktparteien weltweit man hineinzieht, desto schwerer wird es, einen solchen Frieden hinzubekommen."