Geschwüre und Alkohol: Schinkels' Abrechnung

Frenkie Schinkels im sportnet.at-Interview über ein Vorstandsmitglied mit Alkoholproblem, Geschwüre in der Mannschaft und seine neuesten Autoren- und Musiker-Pläne.

Herr Schinkels, ihre Zeit als Kärnten-Trainer ist seit Samstag Abend Geschichte. Wobei erwisch' ich Sie gerade?

Frenkie Schinkels: "Ich bin im Moment dabei, für Freunde und das Trainerteam am Donnerstag eine kleine Abschiedsparty im Hotel Rösch zu organisieren. Ich habe hier viele Freunde gefunden."

Der Verein war Ihnen immer eine Herzensangelegenheit. Ihr bislang schwerster Abschied in Ihrer Trainer-Karriere?

"Ja, doch. Mit dem Ableben von Jörg Haider und den vereinsinternen Differenzen haben sich mit der Zeit leider viele Nebenschauplätze aufgetan, die die Arbeit erschwert haben. Heute ist der Verein leider stark gefährdet, richtig abzustürzen."

Ist die Entscheidung, das Handtuch zu werfen, wirklich erst während dem Mattersburg-Spiel gereift?

"Jetzt kann ich ja ehrlich sein. Ich hatte schon seit ein paar Wochen mit Schwankungen zu kämpfen, es war nicht leicht für mich. Ich habe als Trainer alles in meiner Macht stehende probiert, aber das Mattersburg-Spiel war der absolute Tiefpunkt. Wenn du nach drei Minuten 0:1 in Rückstand gerätst, kein Aufbäumen zu erkennen ist und deine Mannschaft danach nur eine Gelbe bekommt, sitzt du auf der Bank und weißt, dass es keinen Sinn mehr hat."

Inwiefern hat ihnen der Klub-interne Gegenwind zugesetzt?

"Präsident Canori hat bis zum Schluss zu mir gestanden. Auch die Fans und Leute auf der Straße haben sich mir gegenüber sensationell verhalten. Wenn aber ein Vorstandsmitglied, dass gleichzeitig für eine Zeitung als Journalist tätig ist, nur Wirbel und Unruhe in den Verein bringt, wird es mühsam. Seine Artikel können eigentlich nur unter Alkohol-Einfluss geschrieben worden sein. Den kann man nicht ernst nehmen."

Der Verein sucht momentan intensiv nach einem Nachfolger. Braucht die Mannschaft einen Schreihals wie Krankl oder einen besonnenen Typen wie Zellhofer?

"Weder noch. Ich hätte meinen Co-Trainer Roman Stary weiterarbeiten lassen. Die Mannschaft braucht keinen neuen Trainer, aber man will unbedingt einen haben. Es wäre klüger gewesen, das Geld zu sparen und stattdessen im Winter drei, vier Spieler zu verpflichten. Im Gegenzug hätte man genauso viele Spieler eliminieren müssen. Ohne Namen nennen zu wollen: Es gibt ein kleines Geschwür innerhalb der Mannschaft, das rausoperiert gehört. Mit einem gesunden Körper lässt sich etwas ausrichten. Noch ist es nicht zu spät."

Wie geht es für Sie persönlich weiter? Wollen Sie vom Trainer-Dasein Abstand gewinnen oder so schnell wie möglich zurück ins Geschäft?

"Ich bleibe dem Fußball natürlich erhalten, aber vorerst eher als Experte. Außerdem habe ich noch zwei weitere Projekte laufen. Nächste Woche beginne ich damit, mein Buch "Immer Aufstehen" zu schreiben. Es geht darum, dass man, egal wie groß die Tiefschläge auch sind, immer wieder zur Tagesordnung übergehen muss. Erscheinen wird das Werk aber erst im Dezember 2010. Außerdem bringe ich rechtzeitig zum Fasching zwei Platten heraus, richtige Stimmungsmusik. Einen besseren Ort als Kärnten kann es dafür ja nicht geben (lacht).sportnet.at

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