Wie kommt man bloß auf so eine Studie? Wissenschaftler fanden nämlich heraus, dass Tauben Gesichter von Menschen, die verkehrt herum sind schlecht wiedererkennen.
Sei es ein Steckbrief oder ein altes Passbild, Menschen können einander sehr gut am Gesicht wiedererkennen. Die Aufgabe wird jedoch schwieriger, wenn das Konterfei auf dem Kopf steht. Weil dies nur mit Gesichtern funktioniert – einen Kasten etwa erkennt man auch verkehrt herum zweifelsfrei –, hat man vermutet, dass Menschen eine Art angeborenes "Gesichtserkennungsmodul" im Gehirn haben.
Doch auch Tauben können lernen, menschliche Gesichter zu unterscheiden und zeigen danach dieselben Probleme mit verkehrten Bildern, fanden Forscher heraus. Dieser Effekt beruht daher offensichtlich auch bei Menschen eher auf Erfahrung als auf ein angeborenes Talent.
Die Erfahrung würde darauf aufbauen, dass die Einzelmerkmale des Gesichts, wie Augen, Nase und Mund, in einer bestimmten Art und Weise zusammenhängen. Diese Konfiguration wird mitgespeichert, und wenn man das Gesicht umdreht, dann sind die Einzelmerkmale noch da, aber die Konfiguration ändert sich durch das Umdrehen deutlich. Das macht das Wiedererkennen schwieriger.
Da Tauben dieselben Probleme mit verkehrt herum gehaltenen Bildern und ganz sicher kein angeborenes "Menschengesichtserkennungsmodul" haben, sei der Inversionseffekt nun als Beleg für ein angeborenes Gesichtserkennungsvermögen bei Menschen hinfällig. Er könne genau so gut oder besser für das Konfigurationslernen durch Erfahrung verwendet werden.
Die Forscher fanden außerdem heraus, dass Tauben nicht nur ihre Artgenossen in bekannt und unbekannt unterscheiden können, sondern auch bekannte von unbekannten Menschen.