GIS-freie TVs so beliebt, dass die Regale leer sind

Bereits drei Anbieter verkaufen in Österreich TV-Geräte, für die die Kunden keine Rundfunkgebühr zahlen müssen. Doch wie gut kommen die Geräte an?
Es gibt in Österreich GIS-Zahler, die beinahe 321 Euro im Jahr für das TV-Programm ausgeben, ohne eine Minute ORF zu sehen – oder technisch überhaupt sehen können. Mittlerweile gibt es allerdings drei Unternehmen in Österreich, die dieses Problem aufgegriffen haben und eine Lösung anbieten wollen. Kagis, Nogis und Pop-Tech bieten TV-Geräte an, für die keine GIS-Gebühr fällig wird.

Alle drei Unternehmen bieten TVs ohne Tuner an, die entsprechend nicht empfangsbereit und damit technisch gesehen Monitore sind. Über sie kann trotzdem das herkömmliche Fernsehprogramm per Apps, TVtheken und zusätzlich das Angebot von Streaminganbietern konsumiert werden.

Riesenansturm auf Geräte



Um die Geräte selbst ist mittlerweile ein regelrechter Hype in Österreich entstanden. So groß, dass das Sortiment aller drei Anbieter zwischenzeitlich zumindest zum Teil leergekauft war. Mehr als 3.000 Stück GIS-freie Fernseher konnte man bei Nogis an die Österreicher bringen. "Monatlich schwankten die Verkäufe zwischen 150 und 600 Stück, was daran lag, dass nicht immer alle Modelle verfügbar waren", sagt Andreas Hackl von Nogis. Auch hier sieht man einen stark steigenden Trend, der dafür sorgt, dass auch gewerbliche Kunden die Geräte nutzen, etwa in Firmen und Lokalen.

"Wir sind sehr stolz darauf, schon etliche Kunden zu haben, die mehr als einen 'Nogis' zu Hause beziehungsweise im Betrieb haben", so Hackl. Die ersten Geräte verkaufte Nogis bereits im September 2017. Das beliebteste Produkt der Kunden bei Nogis sei das 55 Zoll große Modell, daneben bietet das Unternehmen noch 32, 43 und 65 Zoll große Geräte an. Die Preise reichen dabei von 329 bis 899 Euro.

Stark steigender Trend



"Wir hatten von Mai bis Dezember einen Zuwachs im dreistelligen Prozentbereich", so Andrei Pop von Pop-Tech, das seit Mai 2018 GIS-freie Geräte anbietet. Bis zu 80 Geräte pro Monat wurden seither verkauft, gegen Jahresende hin mit steigendem Trend. Die Geräte von 43 bis 65 Zoll kosten zwischen 499 und 999 Euro.

"Von der Beliebtheit der Geräte gibt es klar zwei Modelle, welche am meisten verkauft wurden", so Pop. Das seien die 50 und 65 Zoll großen Geräte, wobei der 50-Zöller zu Jahresende so beliebt war, dass "uns die Kunden alle Model 50, welche wir auf Lager hatten, abgekauft haben und wir kurzfristig Lieferengpässe hatten". Als Grund für den Hype sieht Pop nicht nur die GIS, sondern auch eine Änderung der Fernsehgewohnheiten weg vom klassischen Fernsehen und hin zum Streaming.

Wer einen Fernseher hat, muss die GIS bezahlen?
Falsch! Die GIS sagt: "Grundsätzlich gilt: Wenn Sie Geräte besitzen, die Rundfunktechnologien verwenden, handelt es sich um Rundfunk­empfangs­einrichtungen. Diese sind melde- und gebührenpflichtig. Unabhängig davon, wie oft Sie die Geräte einschalten und welche Programme Sie hören oder sehen."

Im Detail ist die Situation etwas skurril: Habe ich ein TV-Gerät daheim stehen und schaue nicht ORF, muss ich zahlen. Habe ich ein TV-Gerät und kann die ORF-Programme aber gar nicht empfangen (ohne CI-Modul oder ORF-DIGITAL-SAT-Karte), muss ich ebenfalls zahlen. Es geht nämlich darum, dass die Geräte "prinzipiell empfangsbereit" wären, egal ob man sie nutzt oder nicht.

Die GIS-Regelung im Detail bezieht sich allerdings nicht konkret auf ein Fernsehgerät, sondern auf eine "Rundfunkempfangseinrichtung". Und hier liegt der Fall vor, dass man sehr wohl einen Fernseher besitzen kann, ohne in die GIS-Pflicht zu fallen. Allerdings darf der Fernseher über keinen Tuner und Antennenanschluss verfügen. Somit wäre er nicht "empfangsbereit". Egal welche Programme – auch den ORF – man dann rein internetbasiert konsumiert, entfällt die GIS-Pflicht. Im Kern sind solche TV-Geräte nichts anderes als große Monitore mit allen Anschlüssen eines normalen Fernsehers, nur ohne Sat-/Kabel-Anschluss.


CommentCreated with Sketch.83 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Fernsehen ohne GIS? Wir zeigen, wie es geht!

Rund 10 GIS-freie Geräte pro Tag



Auch beim Dritten im GIS-freien Bunde, Kagis, war man zwischenzeitlich ausverkauft. Der neueste Anbieter hat bisher 43, 49 und 55 Zoll große Geräte im Sortiment, die Preise reichen von 299,98 bis zu 599,98 Euro. "Wir sind momentan bis auf die 49-Zoll-Geräte ausverkauft. Dafür, dass wir im Dezember gestartet sind, hätten wir nicht gedacht, dass die Geräte sich so schnell verkaufen", sagt Stefan Warecka von Kagis.

Topmodell ist hier ebenfalls der 55-Zöller, von dem 150 Stück verkauft wurden und für den täglich neue Anfragen dazukommen. Weitere 150 Geräte wurden von den kleineren Modellen abgesetzt. "Wir sind gerade dabei, Feedback zu sammeln und dann die Produkte zu verbessern", so Warecka. Unter anderem mit Android- und Netflix-Updates. "Wir wollen dann auch die Menge zumindest verdoppeln", heißt es.

3,4 Millionen GIS-Zahler



186 Minuten schauen die rund 4,9 Millionen fernsehenden Österreicher im Schnitt pro Tag ins TV-Gerät. So steht in rund 3,8 Millionen heimischen Haushalten zumindest ein TV-Gerät, mehr als 3,4 Millionen Haushalte zahlen dabei die Rundfunkgebühr GIS, so die aktuellen Statistiken. Die GIS ist eines der seit Monaten am stärksten polarisierenden Themen in Österreich – Abschaffung, Neudefinition, Pflichtabgabe, jede Menge Alternativen werden politisiert und diskutiert.

Besonders sauer auf stößt die GIS – bis zu 26,73 Euro pro Monat – jenen Österreichern, die sie zahlen müssen, ohne die ORF-Programme überhaupt nutzen zu können. Denn auch wenn das TV-Gerät wegen fehlendem CI-Modul oder ORF-Digital-Sat-Karte gar kein ORF-Programm hereinbekommt, ist es "prinzipiell empfangsbereit", wie es in der Gebührenregelung heißt, und dementsprechend anmelde- und kostenpflichtig. GIS-freie TVs verfügen dagegen über gar keine solche Empfangsmöglichkeit. (rfi)

Nav-AccountCreated with Sketch. rfi TimeCreated with Sketch.| Akt:
ÖsterreichNewsMultimediaTVORFElectronic

ThemaCreated with Sketch.Mehr zum Thema