Das Urgestein ist zurück bei seinem Herzensklub. Oliver Glasner übernahm die Nachfolge von Michael Angerschmid bei der SV Ried. Im Interview mit "Heute.at" sprach der 39-Jährige kurz vor dem Bundesliga-Saisonstart über die Lehrjahre als Co-Trainer von Roger Schmidt in Salzburg, über die neue Rieder Spielweise und die ambitionierten Ziele der Innviertler.
Das Urgestein ist zurück bei seinem Herzensklub. über die Lehrjahre als Co-Trainer von Roger Schmidt in Salzburg, über die neue Rieder Spielweise und die ambitionierten Ziele der Innviertler.
Heute.at: Herr Glasner, wie leicht fällt Ihnen die Umstellung vom Co- zum Cheftrainer?
Oliver Glasner: "Das war eigentlich kein Problem. Ich habe mich immer damit beschäftigt, dass ich den Schritt machen möchte. Es macht mir auch richtig Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten."
Wie sehr konnten Sie unter Roger Schmidt lernen? Was haben Sie da aus Salzburg mitgenommen, das sie jetzt in Ried anwenden werden?
"Natürlich habe ich einige Dinge gelernt, weil es meine erste Trainerstation war. Aber es ist nicht so, dass das völliges Neuland für mich war. Ich habe mich schon als Aktiver damit auseinandergesetzt, wie andere Mannschaften spielen und wie in der heutigen Zeit überhaupt Fußball gespielt wird. In meiner Trainerausbildung habe ich eine klare Vorstellung gehabt, wie ich als Trainer arbeiten möchte - und die hat sich auch weitestgehend mit der von Roger Schmidt gedeckt. Wir ticken auch gleich im Umgang mit den Spielern. Es war nicht so, dass ich mit Null hingekommen bin und mit 100 wieder weggehe. Ich habe in Salzburg die Werkzeuge gelernt und viele meiner Vorstellungen verwirklicht gesehen, die ich auch jetzt umsetze."
Wird man Ried jetzt im Offensivpressing sehen?
"Natürlich wollen wir weiter vorne attackieren. Das ist aber auch immer gegnerabhängig. Noch wichtiger sind mir die Umschaltphasen, dass wir bei Ballverlust ganz schnelles Gegenpressing spielen, dass wir, wenn wir den Ball gewinnen sehr schnell den Weg nach vorne suchen. Wir haben auch prädestinierte Spieler dafür. Wir haben viele schnelle Spieler in unserer Offensive - und das wollen wir auch ausnützen."
Mit Rene Gartler hat ein Top-Torjäger den Verein verlassen. Wie kann sein Abgang kompensiert werden?
"Wir haben viele junge Spieler, gute Spieler, die sich noch weiterentwickeln sollen und werden. Und da denke ich, dass sich sicherlich der eine oder andere herauskristallisieren wird, der mehr Tore schießt als bisher. Und so, im Verbund, werden wir es kompensieren können."
Sie haben es angesprochen: Ried hat eine junge Mannschaft, die Jüngste im Bundesliga-Schnitt. Was kann man dieser Truppe zutrauen?
"Wir tun gut daran, das vermitteln wir auch der Mannschaft tagtäglich, dass wir uns darauf konzentrieren, dass wir fußballerisch besser werden. Dass wir uns weiterentwickeln, dass sich jeder einzelne Spieler weiterentwickelt. Und dann werden wir auch als Mannschaft wachsen. Ganz wichtig ist, dass jeder einen hohen Teamgeist hat, dass jeder für den anderen da ist am Platz. Und dann schauen wir einmal, was dabei herauskommt. Ich halte nichts davon, wenn wir uns schon im Juli Gedanken machen, was im Mai sein wird. Jetzt schauen wir, dass wir uns Woche für Woche verbessern."
Ein definiertes Saisonziel gibt es also nicht?
"Nein, nicht in Form einer Platzierung. Es stehen die Chancen nicht so schlecht, dass der fünfte Tabellenplatz in der Liga für einen internationalen Startplatz reicht. Und da wollen wir ein kräftiges Wörtchen mitreden."
Ist die Kaderplanung abgeschlossen, oder gibt es noch irgendwo eine Baustelle, wo nachgerüstet wird?
"Momentan ist sie abgeschlossen. Wir haben noch Platz für einen möglichen Transfer. Das schauen wir uns jetzt an. Wenn wir der Meinung sind, dass wir irgendwo noch eine Verstärkung brauchen, werden wir eine suchen. Ich hoffe, dass sich kein Spieler mehr verletzt. Bisher präsentieren sich alle sehr, sehr gut."
Was ist ihr Meistertipp?
"Red Bull Salzburg. Ganz klar. Sie haben den Kader vom letzten Jahr zusammengehalten und haben sehr gute Spieler, teilweise Nationalspieler dazubekommen. Ich denke, dass sie wieder sehr souverän Meister werden."
Für wen wird es im Tabellenkeller schwer werden? Wer wird absteigen?
"Also ich vergönne es natürlich niemandem. Ich möchte mich da nicht festlegen. Ich wünsche es niemandem, aber am Ende muss es einen erwischen."
Markus Weber