Klimaschutz

Experten warnen nun vor Wandern im Gebirge

Das Tempo der Gletscherschmelze in den Alpen lässt die einst massiven Eiskörper geradezu zerbröseln. Experten mahnen zu Vorsicht.

Lydia Matzka-Saboi
 Das Tempo der Gletscherschmelze in den Ostalpen hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die einst massiven Eiskörper nahezu vor den Augen der Forscher zerbröseln. 
 Das Tempo der Gletscherschmelze in den Ostalpen hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die einst massiven Eiskörper nahezu vor den Augen der Forscher zerbröseln. 
Johann Groder / EXPA / picturedesk.com

Nach dem massiven Felssturz am Fluchthorn im Paznauntal (Bezirk Landeck) rät die Gletscherforscherin Andrea Fischer aktuell zu größerer Vorsicht in hochalpinen Regionen. Der extrem warme Herbst setze den Permafrostböden offenbar stark zu. Erst am Wochenende war es nahe des Fluchthorns zu einem Bergsturz gekommen.

Nachdem Anfang Juni nahe des Jamtalferners im Tiroler Paznauntal im Bereich der Nordwestflanke des südlichen Fluchthorns mehr als eine Million Kubikmeter Material abstürzte, präsentiert sich die Umgebung vieler Gletscher Österreichs auch im Herbst äußerst instabil. Das teilte die Glaziologin Andrea Fischer der APA mit. Der sehr warme Herbst im Hochgebirge sorge für viele Felsstürze, besonders im Bereich der stark schmelzenden Gletscher, so die Forscherin, die zu Vorsicht rät.

Zum Beispiel in dem Gebiet des Jamtalferners waren alleine am Samstag drei Steinschlag- und Felssturzereignisse aus unterschiedlichen Einzugsgebieten zu beobachten gewesen, wie die Forscherin vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Innsbruck, die sich gerade in der Region aufhält, erklärte. "Quasi neben dem Fluchthorn", wo sich am Anfang des Sommer der spektakuläre Abbruch ereignete, verzeichnete man gestern einen Bergsturz "vom Kamm zur Signalspitze auf den Chalausferner".

Experten mahnen zur Vorsicht

Bei Touren im Nahbereich von Gletschern sei es daher gerade jetzt besonders wichtig, auf Anzeichen von Massenbewegungen zu achten, etwa Steinschlaggeräusche (Knattern, Rauschen, oder auch tiefes Brummen und Krachen je nach Ereignisgröße), Staubfahnen oder Schwefelgeruch. Auch Ablagerungen von frischem kantigen Gestein oder Einschlagtrichter sind Warnzeichen, bei denen die Tour abgebrochen werden sollte, betonte die Wissenschafterin gegenüber der APA.

Offenbar lassen die nun schon ungewöhnlich lange extrem hohen Herbsttemperaturen auch in den Höhenlagen neue Schichten im insgesamt durch den Klimawandel schwindenden alpinen Permafrost auftauen. In Kombination mit dem heißen zurückliegenden Sommer führe dies nun beispielsweise im Jamtal zu zahlreichen größeren und kleineren Bergstürzen und Steinschlägen. In dieser Dichte der Ereignisse "habe ich so etwas noch nie gesehen", so Fischer. Wanderern, die momentan im Hochgebirge unterwegs sind, rät die Glaziologin jedenfalls darauf, auf Gefahrenzeichen zu achten.

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    Die Gletscherschmelze (hier an der Pasterze am Großglockner) macht die Klimakrise sichtbar. Das heurige Jahr (2022) war ein besonders ungünstiges für die heimischen Gletscher.
    Die Gletscherschmelze (hier an der Pasterze am Großglockner) macht die Klimakrise sichtbar. Das heurige Jahr (2022) war ein besonders ungünstiges für die heimischen Gletscher.
    Valentin Mazal
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