Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2026 hat der Konzern seine bisher wohl umfassendste KI-Offensive präsentiert. Im Mittelpunkt stand erneut die Plattform Gemini, die künftig noch stärker in nahezu alle Google-Dienste eingebaut werden soll. Konzernchef Sundar Pichai sprach von einer "agentischen Ära von Gemini". Gemeint ist damit eine Zukunft, in der KI nicht mehr nur Fragen beantwortet, sondern selbstständig Aufgaben übernimmt, Informationen organisiert und Nutzer im Alltag aktiv unterstützt.
Google machte bei der Veranstaltung deutlich, dass künstliche Intelligenz nicht länger nur ein Zusatzfeature sein soll. Stattdessen wird sie zum zentralen Bestandteil der Suche, von Shopping-Funktionen, von Android und sogar von tragbaren Geräten wie smarten Brillen. Viele der angekündigten Funktionen sollen in den kommenden Monaten schrittweise ausgerollt werden. Andere befinden sich noch im experimentellen Stadium. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam das neue Modell Gemini Omni.
Dabei handelt es sich laut Google um ein System, das mit verschiedenen Eingaben gleichzeitig umgehen kann. Nutzer können Texte, Sprache, Bilder oder Videos eingeben und daraus neue Inhalte erzeugen lassen. Laut Google soll Gemini Omni auch Videos per Sprachbefehl bearbeiten können. Damit will der Konzern die Bedienung vereinfachen und KI natürlicher wirken lassen. Statt komplizierter Menüs oder Bearbeitungsprogramme sollen künftig einfache gesprochene Anweisungen genügen.
Google versucht damit offenbar, die Nutzung von KI deutlich näher an den Alltag der Menschen zu bringen. Während viele bisherige Systeme oft technisches Wissen voraussetzten, soll Gemini Omni laut den gezeigten Beispielen möglichst unkompliziert funktionieren. In den Präsentationen zeigte Google unter anderem, wie Videos verändert oder Inhalte automatisch ergänzt werden können. Auch die Gemini-App selbst erhält umfangreiche Änderungen. Google kündigte eine neue Designsprache und sogenannte agentische Fähigkeiten an.
Die App soll Nutzer künftig proaktiv unterstützen und Aufgaben eigenständig erledigen können. Google spricht dabei von Unterstützung "rund um die Uhr". Die KI soll sich also stärker merken können, was Nutzer brauchen oder regelmäßig tun. Vorgestellt wurden Funktionen, die Termine organisieren, Informationen zusammenfassen oder bei alltäglichen Aufgaben helfen sollen. Ein weiterer Schwerpunkt der I/O war die Google-Suche. Dort baut der Konzern seine KI-Funktionen massiv aus.
Nutzer sollen künftig sogenannte Informationsagenten direkt innerhalb der Suche erstellen können. Außerdem führt Google ein neues KI-gestütztes Suchfeld ein. Dieses soll komplexe Fragen besser verstehen und Informationen intelligenter zusammenführen. Die klassische Liste mit blauen Links rückt damit weiter in den Hintergrund. Google reagiert damit auch auf den wachsenden Druck im KI-Markt. Seit dem Erfolg moderner Chatbots verändert sich die Art, wie Menschen Informationen suchen.
Statt einzelne Webseiten anzuklicken, erwarten viele Nutzer inzwischen direkte Antworten und zusammengefasste Ergebnisse. Genau darauf zielt die neue Suchstrategie von Google ab. Auch das Shopping-Erlebnis soll sich stark verändern. Google stellte den sogenannten "Universellen Einkaufswagen" vor. Dahinter steckt ein KI-gestütztes System, das Produkte, Warenkörbe und Kaufentscheidungen organisieren soll. Der Konzern beschreibt die Funktion als eine Art intelligentes Shopping-Hub.
Nutzer sollen Produkte einfacher vergleichen und Einkäufe besser verwalten können. Gleichzeitig könnte die KI Vorschläge machen oder Produkte automatisch sammeln, die zu früheren Interessen passen. Großes Interesse weckten zudem die neuen smarten Brillen mit Android XR. Google präsentierte Modelle gemeinsam mit Gentle Monster und Warby Parker. Die Brillen sollen Funktionen direkt ins Sichtfeld einblenden und mit Gemini zusammenarbeiten.
Nutzer können laut Google Wegbeschreibungen abrufen, Nachrichten verschicken oder Fotos aufnehmen, ohne das Smartphone aus der Tasche holen zu müssen. Google knüpft damit an frühere Versuche im Bereich smarter Brillen an. Anders als bei früheren Projekten setzt der Konzern diesmal jedoch deutlich stärker auf KI als Herzstück der Geräte. Die Brille soll nicht nur Informationen anzeigen, sondern als intelligenter Assistent im Alltag fungieren.
Neben Endkunden standen auf der I/O traditionell auch Entwickler im Fokus. Google kündigte neue Werkzeuge für Google Antigravity, Erweiterungen der Gemini-API und eine stärkere Android-Unterstützung in Google AI Studio an. Entwickler sollen dadurch schneller Anwendungen erstellen können, die direkt mit KI-Agenten zusammenarbeiten. Auch im Wissenschaftsbereich will Google seine KI-Systeme ausbauen.
Unter dem Namen "Gemini for Science" stellte der Konzern mehrere experimentelle Tools vor. Diese basieren unter anderem auf Co-Scientist, AlphaEvolve, Empirical Research Assistance und NotebookLM. Laut Google sollen damit wichtige Schritte wissenschaftlicher Arbeit beschleunigt werden. Genannt wurden etwa die Analyse von Daten, die Entwicklung neuer Hypothesen oder die Zusammenfassung komplexer Forschungsergebnisse.
Die diesjährige Google I/O zeigte damit vor allem eines: Der Konzern richtet sein gesamtes Ökosystem zunehmend auf künstliche Intelligenz aus. Egal ob Suche, Smartphone, Shopping oder Brillen – überall soll Gemini künftig im Hintergrund mitarbeiten. Für Nutzer bedeutet das mehr Automatisierung und mehr KI-Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig wächst aber auch die Frage, wie stark sich Menschen künftig auf solche Systeme verlassen werden.