Smartphone-Test

Das Oppo Find X9 Ultra lässt teure Kameras erblassen

Das Find X9 Ultra von Oppo kostet 1.699 Euro und will Kamera, Video- und Premium-Smartphone gleichzeitig sein. Der "Heute"-Test zeigt, was klappt.
Rene Findenig
20.05.2026, 09:00
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Mit dem Find X9 Ultra schlägt Oppo einen ähnlichen Weg ein wie Vivo mit dem X300 Ultra, das uns erst vor Kurzem im "Heute"-Testüberzeugt hat. Beide Geräte kosten viel Geld – 1.699 Euro bei Oppo, 1.999 Euro bei Vivo – und richten sich klar an Nutzer, die möglichst viel Kamera-Technik in einem Smartphone wollen, ohne gleich zu einer großen Systemkamera zu greifen. Beide Hersteller bieten passende Telekonverter an: Vivo mit 400 Millimeter Brennweite, Oppo mit 300. Dazu später mehr. Schon nach kurzer Zeit wird klar: Diese Ultra-Modelle wollen mehr sein als klassische Premium-Smartphones. Wer dagegen starke Alltagsgeräte ohne Maximal-Kamerasystem sucht, dürfte bereits mit den jeweiligen Pro-Versionen gut auskommen.

Das Oppo Find X9 Ultra ist ein massives Smartphone und mit rund 235 Gramm klar kein Leichtgewicht. In engeren Hosentaschen macht sich das Gerät schnell bemerkbar. Angeboten wird das Modell wahlweise in Schwarz mit Kunstleder-Rückseite sowie in Orange mit matter Glasrückseite. Neben Power-Button und Lautstärkewippe sitzt am rechten Aluminium-Rahmen zusätzlich die Kamera-Taste namens "Master Shutter". Darüber lassen sich Fotos auslösen und per Wischbewegung Zoomstufen steuern. Auf der linken Seite verbaut Oppo außerdem den kleinen "Snap Key", der etwa für Stummschaltung oder Taschenlampe frei belegt werden kann. Geschützt wird die Vorderseite durch kratz- und stoßfestes Gorilla Glass Victus 2.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Superflüssige Bedienung und ein extrem schneller Chip

Mit IP68-Zertifizierung ist das Find X9 Ultra bestens gegen Staub und Wasser geschützt. Der Hersteller verbaut ein komplett flaches und 6,82 Zoll großes AMOLED-Display mit QHD+-Auflösung von 3.168 x 1.440 Pixeln, das ergibt eine enorme Pixeldichte von 510 ppi. Inhalte erscheinen gestochen scharf, Farben kräftig. Dazu gibt es eine Bildwiederholrate, die sich adaptiv von 1 bis 120 Hertz anpassen kann und bei manchen unterstützten Anwendungen und Spielen sogar superflüssige 144 Hertz erreicht. Die Spitzenhelligkeit erreicht 3.600 Nits, was locker ausreicht, um Inhalte bei direkter Sonneneinstrahlung abzulesen. Die QHD+-Auflösung sorgt in Kombination mit 1,07 Milliarden Farben und 10-Bit-Darstellung für sehr feine Bilder.

Inhalte wirken scharf und gleichzeitig farblich differenziert. Mit einer typischen Helligkeit von 800 Nits und bis zu 1.800 Nits im HBM-Modus bleibt der Bildschirm in allen Situationen gut ablesbar. Die 300 Hertz Touch-Abtastrate ist bei schnellen Eingaben spürbar, Spiele machen damit richtig Spaß. Im Inneren arbeitet der Snapdragon 8 Elite Gen 5. Zusammen mit 12 Gigabyte (GB) LPDDR5X-RAM und 512 GB schnellem UFS-4.1-Speicher läuft das Gerät extrem flüssig. Apps starten praktisch ohne Wartezeit. Bildbearbeitung, große Spiele oder 8K-Videos bringen das Smartphone kaum ins Schwitzen, es ist ein echtes Arbeitstier. Im Alltag wirkt das System konstant schnell. Selbst nach längerer Nutzung treten kaum Verzögerungen auf.

Massig Leistung und selbst für Ultras ein riesiger Akku

Auffällig ist das Tempo bei der Verarbeitung von Bildern und Videos – statt sekundenlang auf Bearbeitungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu warten, bekommt man die Ergebnisse rasend schnell. Der Leistungstest mit Geekbench 6 zeigt: Die Ultra-Modelle von Samsung, Vivo, Xiaomi und Oppo liegen alle fast gleichauf, sind alle das Nonplusultra, das es momentan in Sachen Leistung in einem Android-Smartphone gibt. Heraus sticht Oppo allerdings mit dem größten Akku dieser Geräteklasse. Der Silizium-Kohlenstoff-Akku mit 7.050 Milliamperestunden (mAh) bringt das Smartphone auch bei extremster Nutzung über einen Tag, bei durchschnittlicher Nutzung sind es zwei bis drei Tage ohne Ladung. Geladen wird außerdem extrem schnell.

Mit bis zu 100 Watt über kabelgebundenes "Supervooc"-Laden dauert eine volle Ladung nicht einmal eine Stunde, zusätzlich unterstützt das Gerät 50 Watt kabelloses "Airvooc"-Laden. Technisch auf dem neuesten Stand zeigt sich auch die restliche Ausstattung. Das Find X9 Ultra unterstützt Wi-Fi 7, Bluetooth 6.0 und USB 3.2 Gen 1 über USB-C. Dazu kommen eine breite 5G-Bandunterstützung und zahlreiche Navigationssysteme wie GPS, Galileo und Glonass. Auch der Ultraschall-Fingerabdrucksensor unter dem Display reagiert schnell und funktioniert in der Praxis zuverlässig, selbst wenn der Bildschirm feucht ist oder die Hände nicht perfekt trocken sind. Unterstützt werden zudem Nano-SIM-Karten, eSIMs – oder ein Mix aus beiden.

Das Oppo Find X9 Ultra lässt teure Kameras erblassen

Das Kameramodul auf der Rückseite des Find X9 Ultra dominiert das Design – es steht deutlich hervor und macht klar, worum es Oppo geht: Fotografie. Der Hersteller arbeitet erneut mit Hasselblad zusammen und macht daraus einen zentralen Bestandteil des Geräts. Oppo baut das komplette Smartphone rund um die Kamera-Idee auf. Besonders deutlich wird das beim optionalen Hasselblad-"Earth Explorer"-Kit samt 300-mm-Telekonverter. Das Zubehör beinhaltet eine Fotografie-Hülle mit Kamera-Griff, Objektivsystem und verschiedenen Filter-Ringen um 699 Euro. Doch schon ohne dieses Zubehör fällt die Kameraausstattung extrem aus. Oppo verbaut insgesamt fünf Kameras auf der Rückseite – sogar einen Sensor mehr als das Vivo X300 Ultra.

Die Hauptkamera nutzt einen 200-Megapixel-Sensor (MP) mit Blende f/1,5 und optischer Bildstabilisierung. Dazu kommen eine weitere 200-MP-Telekamera mit dreifach optischem Zoom sowie eine 50-MP-Ultraweitwinkelkamera. Obendrauf setzt Oppo eine zusätzliche 50-MP-Ultra-Telekamera und außerdem eine "True Color Kamera". Letztere ist dazu da, um die Lichtsituation und die Farbtemperatur zu analysieren. Auf der Vorderseite knipst eine 50-MP-Frontkamera. Oppo liefert damit tatsächlich ein Kamerasystem ab, das nicht nur eine Kampfansage am Smartphone-Markt ist, sondern sogar einige teure Kameras erblassen lässt. Und auch ohne Telekonverter fällt vor allem die Leistung und Qualität beim Zoom auf.

Besonders spannend wird Fotografie mit dem Find X9 Ultra per separatem Telekonverter, denn ...
Rene Findenig
... dann kommen solche Fotos mit 40 x Zoom (maximal 200 x) raus. Da kann kaum ein Konkurrent mithalten.
Rene Findenig

Weniger aggressive Nachbearbeitung als einige Konkurrenten

Das Gerät bietet einen 10-fachen optischen Zoom mit 230 Millimeter Brennweite und zusätzlich einen 20-fachen "optischen Qualitätszoom" bei 460 Millimeter. Gerade bei Tageslicht entstehen damit Aufnahmen, die ungewöhnlich detailreich wirken. Gebäude in großer Entfernung, Schriftzüge oder kleine Strukturen bleiben überraschend scharf. Auch bei schwierigerem Wetter oder am Abend hält das System erstaunlich viele Details fest. Gleichzeitig fällt auf, dass Oppo ähnlich wie Samsung die Bildverarbeitung seines Ultra-Modells weniger aggressiv gestaltet als einige Konkurrenten. Farben wirken kräftig, aber meist nicht völlig überzeichnet. Hauttöne bleiben in vielen Situationen natürlicher als etwa bei manchen stark bearbeitenden Geräten.

Porträts profitieren von der Zusammenarbeit mit Hasselblad – hier matcht sich das Oppo-Ultra mit dem Porträt-Meister Vivo X300 Ultra samt Zeiss-Kooperation. Das Find X9 Ultra versucht wie das X300 Ultra nicht bloß Hintergründe künstlich weichzuzeichnen, sondern arbeitet stärker mit Licht und Tiefe. Dadurch entstehen Bilder, die oft weniger künstlich wirken als der Rest am Markt. Besonders die 200-Megapixel-Telekamera für Porträtaufnahmen liefert auffällig starke Ergebnisse. Gesichter bleiben scharf, während Hintergründe angenehm verschwimmen. Interessant ist aber auch, wie Oppo diese Leistung für die Kamera nutzt. Das Smartphone analysiert Bilder permanent im Hintergrund, stabilisiert Aufnahmen und berechnet Details nach.

Auf die Spitze treibt den Eindruck der Telekonverter

Trotzdem wirken die Resultate weniger künstlich als bei vielen Konkurrenzgeräten. Besonders bei Nachtaufnahmen zeigt sich das. Während manche Smartphones dunkle Szenen fast taghell machen und dabei Atmosphäre verlieren, erhält das Find X9 Ultra häufiger die natürliche Lichtstimmung. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Aufnahme perfekt wird. Gerade bei extrem wenig Licht zeigt sich manchmal ein leichtes Bildrauschen. Auch die automatische Nachschärfung greift gelegentlich etwas zu stark ein. Wer außerdem zwischen Ultraweitwinkel, Hauptkamera und Zoom wechselt, bekommt also nicht exakt denselben Look, sondern auch oft wechselnde Lichtstimmungen. Mehr Kritik lässt sich an der Kamera dann aber nicht finden.

Die Frontkamera mit 50 Megapixeln fügt sich in das ausgezeichnete Gesamtbild ein. Hauttöne wirken meist natürlich, ohne stark künstliche Glättung. Im direkten Vergleich mit vielen anderen Oberklasse-Geräten fällt auch hier auf, dass Oppo weniger stark eingreift, was das Bild "ehrlicher" wirken lässt, auch wenn es nicht immer die perfekte "Instagram-Optik" liefert. Auf die Spitze treibt den hervorragenden Kamera-Eindruck dann der Telekonverter. Er erhöht die maximale Zoomstufe von 120- auf 200-fach und selbst ohne Stativ gelingen tagsüber scharfe Fotos mit bis zu 60-fachem Zoom. In der Nacht braucht es dann schon eher ein Stativ, aber auch aus der Hand gelingen Aufnahmen mit bis zu 30-fachem Zoom extrem spektakulär.

Sieht gut aus? Ja! Doch dieses Bild ist mit 60 x Zoom geschossen – und ohne Telekonverter. Den braucht es also nur bedingt.
Rene Findenig

Fluch für das Zubehör, Segen für das Smartphone

Der ehrliche Eindruck: Der Telekonverter beeindruckt, doch das Smartphone selbst besitzt bereits solch ausgezeichnete Zoom-Qualitäten, dass er sich wohl nur für ambitioniertere Fotografen wirklich auszahlt – Fluch für das Zubehör, Segen für das Smartphone. Sehr stark präsentiert sich auch die Videofunktion. Das Find X9 Ultra unterstützt 8K-Aufnahmen mit 30 Bildern pro Sekunde sowie 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Dazu kommen Dolby-Vision-Aufnahmen und 10-Bit-Log-Recording. Videos bieten dadurch mehr Spielraum bei Farben und Nachbearbeitung. Gerade ambitionierte Nutzer, die Clips später bearbeiten möchten, bekommen hier deutlich mehr Möglichkeiten als bei vielen anderen Smartphones.

Gerade bei schnellen Bewegungen, etwa beim Gehen durch die Stadt oder bei Szenen mit viel Dynamik, bleibt das Bild stabil und vergleichsweise ruhig. Die Kombination aus optischer und elektronischer Stabilisierung sorgt dafür, dass auch ohne zusätzliches Zubehör viele Aufnahmen sehr gut und ruhig aussehen. Farben wirken etwas zurückhaltender als bei stark optimierten Social-Media-Kameras anderer Hersteller. Das kann für manche Nutzer ungewohnt sein, weil die Clips nicht sofort "fertig bearbeitet" aussehen. Gleichzeitig bleibt dadurch mehr Spielraum für eigene Anpassungen und ein natürlicheres Aussehen. Besonders im 10-Bit-Log-Modus zeigt sich das deutlich, weil hier mehr Informationen im Bild gespeichert werden.

Ein teures, aber rundum extrem starkes Smartphone

Bei der Software zeigt das Find X9 Ultra ebenfalls Ambitionen, ganz vorne mitspielen zu wollen – mit sehr viel Künstlicher Intelligenz und Funktionen wie einer dynamischen Nachrichteninsel ("Aqua Dynamics"), die man auch von anderen Herstellern kennt. ColorOS 16 auf Basis von Android 16 läuft extrem flüssig und reagiert blitzschnell. Oppo integriert zudem massig KI-Funktionen für Screenshots, Notizen, Sprachaufnahmen und viele andere Aufgaben. Android-Nutzer finden sich sofort zurecht, dennoch fühlt sich ColorOS16 durch Besonderheiten wie eine KI-Sammlung für Bilder und Notizen ("Mind Space") oder die frei belegbare Taste ("Snap Key") eigenständig an. Oppo gibt fünf Jahre Android- und sechs Jahre Sicherheits-Updates an.

Unterm Strich ist das Oppo Find X9 Ultra eines der auffälligsten Android-Smartphones des Jahres. Besonders die Kamera mit 10-fachem optischem Zoom setzt sich deutlich von vielen Konkurrenten ab. Dazu kommen ein sehr großer Akku, schnelles Laden und eine insgesamt starke Leistung ohne nennenswerte Schwächen im Alltag. Gleichzeitig verlangt Oppo mit 1.699 Euro einen hohen Einstiegspreis. Wer als Foto-Fan zusätzlich zum optionalen Zubehör greift, landet schnell in einer deutlich höheren Preisklasse. Unterm Strich bleibt der Eindruck eines konsequent auf Kamera ausgerichteten Smartphones, das in vielen Bereichen an eine klassische Fotokamera heranreicht – und dabei zu beeindrucken weiß.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 20.05.2026, 09:00
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen