Mitgefühl als Geschäftsmodell – dieser Verdacht lässt Graz nicht los. Während eine Stadt nach dem Amoklauf an einer Schule um zehn Tote trauerte, soll eine Frau gezielt die Hilfsbereitschaft der Menschen ausgenutzt haben. Der Vorwurf: Spenden sammeln, Tränen spielen, Geld behalten.
Der Fall sorgt bis heute für Wut und Fassungslosigkeit. Denn der mutmaßliche Betrug begann nur einen Tag nach der Bluttat – und brachte der Verdächtigen offenbar zehntausende Euro.
Die Untersuchungshaft für die 33-Jährige ist am Montag (26. Jänner) in der Justizanstalt Graz-Jakomini verlängert worden – berichtet die APA. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Graz. Grund dafür ist Tatbegehungsgefahr. Die Frau stammt aus dem Bezirk Leibnitz und sitzt seit Ende September 2025 in Haft. Ein Abschlussbericht der Ermittler liegt laut Staatsanwaltschaft derzeit bisher nicht vor.
Laut Polizei startete die Verdächtige bereits am 11. Juni 2025, einen Tag nach dem Amoklauf an einer Grazer Schule, einen Spendenaufruf über eine internationale Online-Crowdfunding-Plattform. Bei der Tat waren zehn Menschen getötet worden, der Schütze beging Suizid.
Suizidgedanken? Hol dir Hilfe, es gibt sie.
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen – außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.
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Die Frau soll sich dabei fälschlich als Hinterbliebene ausgegeben haben. Auf diese Weise habe sie mehr als 37.000 Euro an Spendengeldern lukriert.
Von dem gesammelten Geld dürfte laut Ermittlern nur ein geringer Teil tatsächlich an betroffene Opferfamilien weitergegeben worden sein. Der Großteil soll bei der Beschuldigten geblieben sein.
Zusätzlich steht die 33-Jährige im Verdacht, rund 23.000 Euro an Sozialleistungen unrechtmäßig bezogen zu haben. Auch dazu laufen die Ermittlungen weiter.
"Die Untersuchungshaft ist Montagfrüh wegen Tatbegehungsgefahr verlängert worden", sagte Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz. Wie lange die Frau weiter in Haft bleibt, ist noch offen.