Wien stellt seine Pflegeversorgung neu auf. Die städtischen Pflegewohnhäuser des Wiener Gesundheitsverbunds (WIGEV) werden in den kommenden Jahren umfassend umstrukturiert. Das bisherige System, bei dem an vielen Standorten sowohl medizinische als auch pflegerische Leistungen angeboten werden, soll schrittweise bis 2031 beendet werden.
Künftig werden vier Einrichtungen in Leopoldstadt, Simmering, Baumgarten und Donaustadt ausschließlich als geriatrische Kliniken geführt. Auch das Therapiezentrum in Ybbs zählt zu diesem Bereich. Dort bleibt die gerontopsychiatrische Versorgung jedoch unverändert bestehen.
Die übrigen Standorte in Floridsdorf, Innerfavoriten, Liesing, Meidling sowie Rudolfsheim-Fünfhaus werden künftig als reine Pflegewohnhäuser betrieben.
Hintergrund der Reform ist die alternde Bevölkerung. Mit steigender Lebenserwartung nehmen auch chronische Erkrankungen und komplexe Krankheitsbilder zu. Der Wiener Gesundheitsverbund sieht deshalb die Notwendigkeit, medizinische Behandlung und Pflege stärker voneinander zu trennen, um Betroffene gezielter versorgen zu können.
Derzeit werden in den Einrichtungen rund 2.400 Menschen betreut. In den künftigen geriatrischen Kliniken stehen insgesamt rund 1.490 Betten zur Verfügung. Dort sollen unter anderem akutgeriatrische Behandlungen sowie die Versorgung von Wachkomapatienten angeboten werden. Die Häuser werden als Sonderkrankenanstalten geführt und arbeiten damit ähnlich wie Spitäler.
In den fünf Pflegewohnhäusern sind künftig rund 1.280 Plätze vorgesehen. Die Vergabe erfolgt über den Fonds Soziales Wien. Insgesamt werden in Wien derzeit 17.200 stationäre Pflegeplätze gefördert.
Von der Neuordnung verspricht man sich auch eine Entlastung der Akutspitäler. So sollen Patienten nach einem Sturz oder einer Krankenhausbehandlung verstärkt in den geriatrischen Kliniken weiterbetreut werden. Zudem geht der WIGEV davon aus, dass diese Betten günstiger betrieben werden können als klassische Krankenhausbetten.