Die erste große Hitzewelle des Jahres hat Wien fest im Griff. Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad steigt nicht nur die Belastung für die Bevölkerung, sondern auch der Bedarf an Kühlung massiv. Nach Angaben von Wien Energie liegt die Nachfrage nach Fernkälte an besonders heißen Tagen um bis zu 60 Prozent über jener eines durchschnittlichen Sommertags mit rund 25 Grad.
Vor allem Einrichtungen der kritischen Infrastruktur sind auf eine zuverlässige Kühlung angewiesen. Dazu zählt unter anderem das AKH. Auch öffentliche Gebäude wie das Rathaus und die Universität Wien, Kulturstätten wie das Ronacher oder das Naturhistorische Museum sowie Hotels, Gastronomiebetriebe und Bürostandorte werden über das Fernkältenetz versorgt. Zunehmend profitieren auch Wohnhäuser von der Technologie, etwa im Nordbahnviertel.
Mit den hohen Temperaturen nehmen auch die sogenannten Tropennächte zu – Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad fällt. Dadurch kann sich die aufgeheizte Stadt deutlich schlechter abkühlen. Besonders dicht verbaute Bezirke wie die Innenstadt sind davon betroffen. Der bisherige Rekord wurde 2024 mit 53 Tropennächten gemessen. Auch der Sommer 2025 gehörte österreichweit zu den zehn heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Neu im Einsatz ist heuer ein Eisspeicher, den Wien Energie erstmals im Fernkältenetz testet. Dabei wird Wasser zu Eis gefroren und die gespeicherte Kälte genutzt, um Spitzen beim Verbrauch an besonders heißen Tagen abzufangen. In Zeiten mit geringer Nachfrage wird der Speicher wieder aufgeladen. Die Anlage befindet sich in der Fernkältezentrale am MedUni Campus Mariannengasse und soll den Betrieb effizienter machen.
Der steigende Kühlbedarf gilt als Folge immer heißerer Sommer. Deshalb wird das Fernkältenetz in Wien weiter ausgebaut. Derzeit umfasst es acht Kältezentralen mit Netzanschluss sowie 17 dezentrale Anlagen und versorgt rund 220 Gebäude über ein 33 Kilometer langes Leitungsnetz. Für 2026 wird eine Leistung von 250 Megawatt angegeben, bis 2030 soll sie auf 370 Megawatt steigen.