Im Wiener Narrenturm wird es jetzt buchstäblich elektrisierend: Das Naturhistorische Museum präsentiert mit der Sonderausstellung "Vorsicht Hochspannung" zahlreiche Exponate aus dem einstigen Elektropathologischen Museum, das vielen noch als "Stromtotenmuseum" bekannt ist.
Obwohl moderne Sicherheitsmaßnahmen die Zahl schwerer Stromunfälle deutlich reduziert haben, bleibt das Risiko bestehen. Laut der Elektrounfallstatistik für Österreich wurden 2024 insgesamt 214 entsprechende Unfälle registriert, zwei davon endeten tödlich. Für NHM-Chefin Katrin Vohland hat das Thema bis heute nichts an Aktualität verloren.
Die Ausstellung soll unter anderem Jugendliche davon abbringen, auf Zügen zu surfen, und richtet sich auch an Handwerker sowie Arbeiter, die nach wie vor besonders häufig von Stromunfällen betroffen sind.
Die Grundlage der Schau geht auf Samuel, später Stefan, Jellinek (1871–1968) zurück. Er widmete sich intensiv den Gefahren elektrischer Unfälle und eröffnete bereits 1936 in der Nähe des Narrenturms das erste Elektropathologische Museum. Nach mehreren Übersiedlungen wurde die Einrichtung 2002 endgültig geschlossen.
Rund 300 Präparate aus dieser Sammlung fanden schließlich ihren Weg in den Narrenturm. Laut Eduard Winter, Kustos der Pathologisch-anatomischen Sammlung, war Jellinek überzeugt, dass die Folgen von Stromunfällen offen gezeigt werden müssen, um Menschen aufzuklären.
Dabei soll die Ausstellung jedoch nicht auf möglichst drastische Bilder setzen. Wissenschaftliche Mitarbeiterin Laura Lick betonte, dass man bewusst auf besonders schockierende Darstellungen verzichte. So habe man zwar Berichte über Kabeldiebe in Afrika gefunden, diese aber nicht in entsprechender Bildform übernommen.
Neben historischen Präparaten schlägt die Ausstellung auch die Brücke zur Gegenwart. Thematisiert werden moderne Schutzmaßnahmen wie der FI-Schalter, an dessen Entwicklung der Wiener Physiker Gottfried Biegelmeier maßgeblich beteiligt war. Die Ausstellung ist von 24. Juni bis 24. April 2027, im Narrenturm des NHM zu sehen.